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Zertifikate-Kauf: Emittentenbonität und Sicherungssysteme beachten


In diesen Tagen scheint sich die Finanzkrise wieder einmal zuzuspitzen - viele Anleger sind verunsichert. In die Kritik geraten sind unter anderem Zertifikate. Da deren Rückzahlung als Inhaberschuldverschreibung auch von der Bonität des Emittenten abhängt, fragen sich Anleger auch, ob ihr in Zertifikate investiertes Geld sicher ist. Was viele nicht wissen: Es existieren verschiedene Sicherungssysteme, die das Anlegergeld schützen. So etwa das Sicherungssystem der Sparkassen-Finanzgruppe, in das auch die Landesbanken eingebunden sind.

Zertifikate werden vom ausgebenden Institut als Inhaberschuldverschreibungen aufgelegt, bei denen der Anleger wie bei Unternehmensanleihen das Emittentenrisiko trägt. Mit Emittentenrisiko wird das Risiko bezeichnet, dass das ausgebende Institut seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Ein Emittentenrisiko gibt es daher bei Zertifikaten grundsätzlich.

Anleger sollten daher beim Kauf von Zertifikaten sehr genau auf die Zahlungsfähigkeit des Emittenten schauen, die sogenannte Bonität. Denn Zertifikate sind Instrumente, die konstruiert werden, um einen Mehrwert zum Beispiel gegenüber einem Direktinvestment in Aktien zu bieten - diese Vorteile können sie aber nur ausspielen, wenn sie am Laufzeitende auch zurückgezahlt werden. Schließlich nützt das größte Renditepotential nichts, wenn die Rückzahlung am Ende ausbleibt.

Durch Einlagensicherungseinrichtungen geschützt sind Zertifikate in der Regel nicht. Eine Ausnahme bilden die Sicherungssysteme des genossenschaftlichen Finanzverbundes und der Sparkassen-Finanzgruppe. Letzteres beinhaltet auch die Sicherungsreserve für Landesbanken und Girozentralen. Gesetzlich handelt es sich dabei um eine institutssichernde Einrichtung, wie sie in Paragraph 12 des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetzes auch festgeschrieben ist.

Die Aufgabe dieses Sicherungsnetzes ist es, die Mitgliedsinstitute in schwierigen Situationen wie der aktuellen Finanzkrise wirkungsvoll zu schützen. So soll die Sicherungsreserve insbesondere die Liquidität und Solvenz der Mitgliedshäuser sicherstellen. Neben den rund 450 Sparkassen gehören dem System auch Landesbanken wie etwa die WestLB an. Als Inhaberschuldverschreibungen sind deren Zertifikate ebenso wie Spareinlagen der Anleger bei den Mitgliedshäusern durch das Sicherungssystem geschützt.

Wenn Anleger sich über die Bonität der verschiedenen Emittenten informieren wollen, so stehen ihnen verschiedene Mittel zur Verfügung. Eine Möglichkeit sind die Bonitätsratings der klassischen Ratingagenturen wie etwa Standard&Poor’s, Moody’s oder Fitch. In diesen Ratings bewerten die Agenturen nach einem bestimmten Verfahren die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens, einer Bank oder eines Emittenten. Eine schnellere und marktnähere Alternative zum Emittentenrating ist der Credit Spread eines Emittenten. Bei Credit Spreads handelt es sich um die Differenz, die ein Unternehmen Fremdkapitalgebern gegenüber sicheren Staatsanleihen oder  einer Benchmark wie etwa dem EURIBOR zahlen müssen. Je höher diese Differenz ausfällt, desto größer ist die Risikoprämie die das Unternehmen zahlen muss, um an frisches Kapital zu gelangen. Der Credit Spread stellt also sehr genau und sehr aktuell dar, welches Vertrauen ein Unternehmen am Kapitalmarkt genießt. 

Bevor im vergangenen Jahr die Subprime-Krise ihren Anfang nahm, waren für bekannte und renommierte Institute Credit Spreads von weniger als 50 Basispunkten (0,5 Prozent) die Regel. Als die Krise jedoch mehr und mehr an Bedeutung gewann, stiegen die Credit Spreads vieler Banken, vor allem Investmentbanken, rapide an. An einigen Tagen waren für einzelne Investmentbanken sogar schon Credit Spreads von knapp 2.000 Basispunkten (20 Prozent) - bezogen auf fünfjährige Laufzeiten - zu verzeichnen. Indes bewegen sich die Credit Spreads von Landesbanken wie der LBBW und der WestLB recht kontinuierlich um die 100 Basispunkte. Auch wenn bei akuten Zuspitzungen der Krise teilweise selbst bei Landesbanken Notierungen bei über 130 Basispunkten zustande kamen, ist das Niveau hier deutlich niedriger.

Anleger sollten aber ihr Portfoliorisiko weiter minimieren, indem sie - unabhängig von Bonitätsratings und Credit Spreads - das Ausfallrisiko über verschiedene Emittenten streuen. Dazu sollten sie nicht nur die Papiere eines Emittenten kaufen, sondern die Angebote mehrerer solventer Zertifikatehäuser nutzen.

Trotz der aktuellen Debatte um die Bonität von Emittenten gilt aber weiterhin: Anleger können mit Zertifikaten Chancen nutzen, die ihnen mit anderen Investments nicht erschlossen werden. Sie können mit Zertifikaten nämlich passgenau auf ihr eigenes Chance-Risiko-Profil eingehen und diese in ihrem Portfolio abbilden. So können beispielsweise Produkte mit einem Sicherheitspuffer, in Form eines partiellen oder vollständigen Kapitalschutzes zum Laufzeitende, die Anleger vor Kursverlusten schützen und so das Portfolio stabilisieren.

Gleichzeitig lassen sich mit Zertifikaten, je nach Ausgestaltung, in allen Markphasen positive Renditen erzielen. Bereits nach der letzten Aktienbaisse 2001 nutzten die Privatanleger die derivativen Wertpapiere, um in den Aktienmarkt zurückzukehren. Zum 31. Juli 2008 waren laut der Marktvolumenstatistik des Deutschen Derivate Verbandes 56 Prozent aller Anlagezertifikate in Produkten mit partiellem oder vollständigem Kapitalschutz angelegt.

Quelle: www.newmark.de



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