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Aktienanleihen: Hohe zweistellige Renditen möglich


Aktienanleihen locken derzeit mit attraktiven Zinskupons. Doch sollten Anleger aufpassen: Aktienanleihen sind keine festverzinslichen Wertpapiere. Der Anleger geht vielmehr ein Aktienrisiko ein.



Der Unterschied zwischen Kurs- und Nennwert


Bei Aktienanleihen unterscheidet man zwischen dem Kurs- und dem Nennwert. Der Nennwert ist der Betrag, auf den sich die Leistung des Emittenten bezieht. Für den Anleger ist der Nennwert die Mindestanlagesumme. Anleihen gibt es zum Nennwert von 1.000 Euro, 5.000 Euro oder auch 10.000 Euro. Insofern ist der Anleger bei der Investitionssumme vollkommen flexibel.

Für den Kauf einer Anleihe ist der Kurswert relevant. Er notiert in Prozent des Nennbetrages. Hat die Anleihe also einen Nennwert von 1.000 Euro und notiert die Anleihe bei 98%, muss man für den Kauf der Anleihe 980 Euro aufbringen.

Aktienanleihen bieten höhere Zinsen als klassische Anleihen


Dafür, dass man dem Emittenten Kapital zur Verfügung stellt, erhält man einen bestimmten Zinsertrag bezogen auf den Nennwert. Die Zinsen bei Aktienanleihen sind jedoch wesentlich höher als bei klassischen Anleihen. Während herkömmliche Anleihen rund 2 bis 3% pro Jahr zahlen, sind bei Aktienanleihen hohe zweistellige Renditen möglich. Die Zinszahlung ist an keine Bedingung geknüpft. Bei Laufzeiten von unter oder knapp über 1 Jahr erfolgt die Zinszahlung bei Fälligkeit, bei Laufzeiten von mehreren Jahren erfolgt sie jährlich zu bestimmten Terminen.

Der vom Emittenten versprochene Zinssatz bezieht sich immer auf 1 Jahr und wird taggenau abgerechnet. Läuft die Anleihe also z.B. weniger als ein Jahr, erhält man auch weniger Zinsen. Läuft sie länger, erhält man mehr Zinsen.

Beispiel:

Eine Anleihe mit Nennwert 1.000 Euro zahlt 14% Zinsen p.a. und läuft genau 12 Monate, also 365 Tage.

Die Zinszahlung errechnet sich wie folgt:

Nennwert x Zinstage x Zinssatz)/ (365 x 100)

In unserem Beispiel ergibt sich eine Zinszahlung von
1.000 x 365 x 14 / (365 x 100) = 140 Euro

Die Zinszahlung erfolgt am Laufzeitende in voller Höhe. Hat man die Anleihe aber zu einem späteren Zeitpunkt gekauft, also nicht schon bei Emission, so zahlt man Stückzinsen für die Zeit, in der man die Anleihe nicht besessen hat. Dies ist notwendig, da man am Laufzeitende ja die gesamte Zinszahlung erhält. Stückzinsen sind die Zinsen, die vom Beginn der Zinslaufzeit bis zum Tag des Erwerbs der Anleihe anfallen.

Angenommen, man erwirbt die Anleihe erst 100 Tage nach Emission. Dann erhält man am Laufzeitende zwar die vollen Zinsen für 365 Tage (also 140 Euro), zahlt bei dem Erwerb der Anleihe aber auch Stückzinsen für 100 Tage, also (1.000 x 100 x 14) / (365 x 100) = 38,36 Euro.

Veräußert man die Anleihe vor Laufzeitende, erhält man wiederum vom neuen Käufer die Stückzinsen vergütet.

Anleihen beziehen sich immer auf einen Basiswert


Jeder Anleihe liegt ein bestimmter Basiswert, z.B. eine Aktie oder ein Index, zugrunde. Am häufigsten kommen jedoch Aktienanleihen auf klassische Aktien wie die Deutsche Telekom, SAP oder DaimlerChrysler vor. Der Wert der Anleihe wird also maßgeblich von dem zugrunde liegenden Basiswert bestimmt. Man sollte also nur Anleihen wählen, wenn man mit dem Basiswert vertraut ist und während der Laufzeit eine bestimmte Marktmeinung zu dem jeweiligen Basiswert besitzt.

Bei der Rückzahlung hat der Emittent ein Wahlrecht


Am Laufzeitende hat der Emittent das Wahlrecht, entweder die Aktienanleihe zum Nennwert, also zu 100%, zurückzuzahlen oder eine festgelegte Anzahl von Aktien zu liefern. Letzteres macht er nur, wenn der aktuelle Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt unter dem bei Emission vereinbarten Basispreis liegt.

Beispiel:

Eine Anleihe mit Nennwert von 1.000 Euro hat eine Laufzeit von 1 Jahr und zahlt 14% Zinsen. Der Emittent hat das Recht, am Ende der Laufzeit die Anleihe entweder zu 100% (1.000 Euro) oder mit 25 Aktien einer bestimmten Aktie zurückzuzahlen. Der Emittent wird die Anleihe also nur dann mit 25 Aktien zurückzahlen, wenn der Aktienkurs unter 40 Euro liegt, da die Rückzahlung für den Emittenten so billiger ist (25 x 40 ergibt genau 1.000 Euro). Die Rückzahlung zum Nennbetrag erfolgt dann, wenn die Aktie über 40 Euro notiert. Der Emittent wird also immer die Variante wählen, die für ihn am günstigsten ist.

Im obigen Beispiel würde die Anleihe also bei folgenden Kursen zum Nennwert bzw. mit Aktien zurückbezahlt:

Aktienkurs Rückzahlung Rückzahlungswert
50 Nennwert 1.000 €
45 Nennwert 1.000 €
40 Nennwert 1.000 €
35 25 Aktien 875 €
30 25 Aktien 750 €

Dabei sollte man jedoch bedenken, dass die hohe Zinszahlung als Risikopuffer dient. Fällt die Aktie auf 38 Euro, so erhält man zwar nur 25 x 38 = 950 Euro zurück, dafür erhält man aber auch eine Zinszahlung von 140 Euro. Insgesamt macht man also trotzdem noch einen Gewinn von 140 - 50 = 90 Euro, obwohl die Aktie gefallen ist.

Positive Börsenphasen sind daher eher gut für den Aktienanleihebesitzer. Kursverluste, die meist mit höheren Schwankungen (Volatilitäten) einhergehen, können dagegen gefährlich werden. Je volatiler eine Aktie ist, desto üppiger ist zwar der Zinskupon, desto höher ist aber auch das Risiko für eine Tilgung in Aktien, deren Wert gefallen ist.

Kupon sagt nichts über die Rendite aus


Bei Aktienanleihen sollte man sich jedoch nicht von der hohen Kuponzahlung verwirren lassen. Denn ein Zinssatz von z.B. 14% p.a. sagt noch nicht über die tatsächliche Rendite aus. Diese kann z.B. wesentlich kleiner oder sogar größer sein, je nachdem zu welchem Kurs man die Anleihe erwirbt. Kauft man obige Anleihe zum Beispiel bei 98%, dann zahlt man nur 980 Euro. Wird sie dann zum Nennwert getilgt, erhält man zusätzlich zur Zinszahlung noch einen Kursgewinn von 20 Euro. Die eigentliche Rendite erhöht sich somit auf 16%. Zahlt man jedoch 102 % für die Anleihe, so würde die Rendite nicht 14%, sondern lediglich 12% betragen.

Vor allem kann ein deutlicher Kursrückgang der Aktie die Rendite wesentlich verschlechtern. Fällt nämlich der Kurs der Aktie unter den Basispreis, hat dies erhebliche Auswirkungen auf die jährliche Rendite.

Die Rendite kann man sich immer selber mit folgender Formel ausrechnen:

Rendite p.a. =

((Zinsbetrag + (Rückzahlungswert-Kurswert)) / Kurswert) x (365 / Laufzeit in Tagen) x 100

Bei einem Kaufkurs von 98%, einer Laufzeit von 365 Tagen, einer Verzinsung von 14%, einem Nennwert von 1.000 Euro und einer Rückzahlung von 100% ergibt sich eine Rendite von:

((140 + (1.000-980))/980) x (365 /365) x 100 = (160 /980) x 1 x 100 = 16,32% p.a.

Bei Kursen unter 90% sollten Anleger ohnehin vorsichtig sein, denn sie bedeuten, dass eine Rückzahlung in Aktien wahrscheinlich ist.

Zinszahlung wirkt als Risikopuffer


Im obigen Beispiel zahlt die Anleihe einen Kupon von 14%. Diese Zinszahlung gilt gleichzeitig als Risikopuffer. Solange die Aktie über dem Basispreis von 40 Euro notiert, ist die Rendite nicht gefährdet, da die Anleihe zu 100% zurückgezahlt wird. Erst wenn die Aktie bei Fälligkeit unter den Basispreis fällt, schmälert sich die Rendite.

Insgesamt darf die Aktie also bei einem Kaufkurs von 100% nicht mehr als 14% unter den Basispreis von 40 Euro fallen, damit die Aktienanleihe keinen Verlust einbringt.

In diesem Beispiel wird auch deutlich, dass eine Aktienanleihe durchaus Verluste einbringen kann, nämlich dann, wenn die Aktie unter 34,40 Euro fällt.

Um die Gewinnschwelle auszurechnen, haben Sie 2 Möglichkeiten:

Gewinnschwelle:

Basispreis x (1 - Zinssatz/100) = 40 x (1 - 0,14) = 40 x 0,86 = 34,40 Euro.

oder:

Basispreis - (Zinsertrag/ Anzahl Aktien) = 40 - (140/25) = 40 - 5,60 = 34,40 Euro

Jeder Kurs oberhalb der Gewinnschwelle bringt eine positive Rendite.

Basispreis und Laufzeit bestimmen den Kupon


Aktienanleihen gibt es auf die ein und dieselbe Aktie zu unterschiedlichen Basispreisen und Laufzeiten. Dabei gilt: Je größer der Basispreis, desto größer ist das Risiko, dass man Ende der Laufzeit die Aktien erhält. Dieses höhere Risiko wird mit einem höheren Kupon vergütet. Umgekehrt gilt: Je niedriger der Basispreis, desto kleiner ist das Risiko und damit die Zinszahlung.

Zudem bedeutet eine längere Laufzeit auch eine höhere Zinszahlung. Allerdings steigt sie nur unterproportional zur Laufzeit mit der Folge, dass die Zinszahlung per annum kleiner wird.

Für seitwärtstendierende Märkte geeignet


Aktienanleihen sind für seitwärtstendierende oder leicht steigende Märkte geeignet. Ist man für eine Aktie extrem bullish eingestellt, sollte man besser die Aktie kaufen. Unterstellt man der Aktie eine Dividendenrendite von 1%, die man bei 40 Euro gekauft hat, wäre die Aktie ab einem Kurs von 45,20 Euro (40x (14%-1%) +40) besser gewesen (Outperformancekurs). Insofern sollte man eine positive Einstellung zur betreffenden Aktie haben und nicht blind eine Anleihe mit einem hohen Kupon kaufen.

Das oben beschriebene Beispiel ist hier noch einmal graphisch dargestellt:



Einflussfaktoren auf den Kurs der Anleihe


Die Aktienanleihe wird primär von der zugrunde liegenden Aktie beeinflusst. Steigt der Kurs der Aktie, steigt auch der Kurs der Anleihe. Allerdings beträgt der Kursanstieg nicht 1:1, sondern bewegt sich unterproportional zur Aktie. Dies liegt daran, dass die Anleihe eine Optionskomponente enthält.

Bei einer Verzinsung von 14% und einem Kapitalmarktzins von 2,50% kann eine Anleihe mit einer Laufzeit von 1 Jahr maximal auf 111,5% steigen. Bei Fälligkeit notiert sie jedoch bei 100%.

Fällt die Aktie, verliert auch die Anleihe an Wert. Dies umso stärker, je weiter die Aktie unter den Basispreis rutscht. Insofern besteht bei Aktienanleihen auch das Risiko eines Totalverlustes.

Neben dem Basiswert haben auch das aktuelle Zinsniveau sowie die Volatilität einen Einfluss auf den Preis.

Jederzeitiger Kauf und Verkauf möglich


Dadurch, dass der Emittent permanent An- und Verkaufskurse stellt, können Aktienanleihen börslich wie außerbörslich jederzeit gekauft und wieder verkauft werden. Insofern muss die Anleihe nicht bis zum Laufzeitende gehalten werden.

Steuerliche Behandlung ein klarer Nachteil


Klarer Nachteil von Aktienanleihen ist ihre steuerliche Behandlung. Während bei Aktien oder Discount Zertifikaten die Kursgewinne nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei sind, ist das bei Aktienanleihen anders. Sie gelten als Finanzinnovationen, daher sind Kurs- und Zinsgewinne stets mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Allerdings können Kursverluste auch nach der Jahresfrist steuerlich geltend gemacht und nicht nur gegen Kapitaleinkünfte, sondern auch gegen andere Einkommensarten wie Gehalt aufgerechnet werden.

Bonität des Emittenten ist wichtig


Bei Aktienanleihen handelt es sich um Bankschuldverschreibungen. Daher ist die Bonität des Emittenten mitentscheidend, denn im Falle einer Insolvenz des Emittenten ist das investierte Geld gefährdet. Kaufen Sie daher nicht Anleihen von Emittenten mit fragwürdiger Bonität, auch wenn diese womöglich höhere Zinsen versprechen.

Anleihen mit hohen Renditen


Auch wenn sich die Aktienmärkte wieder beruhigt haben und die Volatilitäten zurückgegangen sind, bieten Aktienanleihen derzeit immer noch hohe zweistellige Renditen. Waren bei Aktienanleihen etwa auf Thyssen-Krupp vor rund einem Jahr noch Kupons von 7 Prozent p.a. üblich, so sind nun 19% p.a. drin.

Derzeit gibt es etwa 5.000 Aktienanleihen auf dem Markt. Marktführer ist Sal. Oppenheim, gefolgt von der BHF-Bank.

Interessante Aktienanleihen finden Sie nachfolgend:

Basiswert WKN Kupon p.a. % Nenn-wert Anzahl Aktien Basis-preis Kurs Aktie Laufzeit Geld/
Brief in%

BWin SBL7GX 30,00 1.000 31,15 32,10 30,00 25.07.06-
22.12.06
93,34/
93,54
Commerzb SBL658 17,00 1.000 37,65 26,56 27,32 14.06.06-22.12.06 100,23/
100,43
Continental BHF841 12,50 1.000 12,4 80,65 84,05 11.07.06-
11.07.07
100,89/
101,09
DaimlerC SBL65A 14,00 1.000 26,2 38,17 37,55 14.06.06-22.12.06 101,77/
101,97
ThyssenK SBL8WV 19,00 1.000 36,7 27,25 26,44 23.08.06-28.02.07 99,28/
99,48

30.08.2006



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