Altersvorsorge:
Allianz Global Investors, einer der fünf weltweit größten Vermögensverwalter, legt heute eine umfassende Studie über die Rentensysteme in elf Ländern Mittel- und Osteuropas (MOE) vor.
Wichtige Kernaussagen der Studie sind:
• Die MOE-Staaten sehen sich ähnlichen demografischen Problemen gegenüber wie der Westen. Die Geburtenziffer in diesen Ländern beträgt gegenwärtig 1,24 bis 1,42 Kinder pro Frau. Rechnerisch müssten pro Frau 2,1 Kinder geboren werden, um die Bevölkerung konstant zu halten. Den Prognosen zufolge wird die Bevölkerung der elf untersuchten Länder bis 2050 um 15 Prozent - das sind 16 Millionen Menschen - schrumpfen. Dagegen wird der Altenquotient bis 2050 auf 50 steigen. Dann werden zwei Erwerbstätige einen Rentner finanzieren müssen. Momentan sind es noch fünf.
• Als Reaktion auf die demografische Entwicklung und die wirtschaftliche Transformation in MOE wurden die staatlichen Renten gekürzt, die mit den Sozialversicherungsbeiträgen der Erwerbstätigen finanziert werden. Acht der elf untersuchten Länder haben darüber hinaus verpflichtende kapitalgedeckte Pensionspläne auf individueller Basis eingeführt, um die Einkünfte im Ruhestand auf eine breitere Basis zu stellen und zugleich die Kapitalmärkte weiterzuentwickeln. Diese Pensionspläne werden von externen Pensionsfonds verwaltet und stellen die 2. Säule des Rentensystems in MOE dar. Ungarn und Tschechien haben kürzlich begonnen, Beschränkungen bei der Vermögensstrukturierung von Pensionsfonds abzubauen.
• Nach Einschätzung von Allianz Global Investors werden die Pensionsmärkte der MOE-Länder bis 2015 jährlich um 19 Prozent wachsen. Das entspricht einer Zunahme des Volumens von 51 Mrd. Euro auf 245 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von 60 Prozent an den MOE-Märkten ist Polen gegenwärtig der größte Markt. Auf die drei Visegrad-Staaten Ungarn, Polen und Tschechien werden 80 Prozent des für 2015 prognostizierten Volumens entfallen, obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur 55 Prozent entspricht.
Zwar sind die demografischen Aussichten für die MOE-Länder ungünstig, es sind jedoch nicht alle Staaten im gleichen Maße betroffen. Bulgarien wird bis 2050 ein Drittel seiner Bevölkerung eingebüßt haben, Rumänien 20 Prozent und Polen 10 Prozent. Gegenwärtig liegt der Altenquotient in Zentral- und Osteuropa bei 20. Das bedeutet, dass auf 100 Erwerbstätige (Altersklasse 15 bis 64 Jahre) 20 Rentner (Altersklasse über 65 Jahre) entfallen. Diese Ziffer wird bis 2035 voraussichtlich auf 33 und bis 2050 auf 50 steigen.
Unter kommunistischer Herrschaft waren die Renten alleinige Sache des Staates und Frühverrentung war weit verbreitet. Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme reformierten die MOE-Staaten ihre nach dem Umlageprinzip finanzierten staatlichen Pläne, indem sie das Rentenalter erhöhten, die Leistungsformel änderten und den Beitragszeitraum verlängerten. Systeme der betrieblichen Altersversorgung im westeuropäischen Sinn sind erst jetzt im Entstehen begriffen. So hat Rumänien gerade Systeme der betrieblichen Altersversorgung als 'dritte Säule' eingeführt. Die Einführung von Systemen der beruflichen Altersversorgung wurde zum Teil von der EU-Richtlinie über Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung vorangetrieben.
Die Reformen in MOE folgten dem von der Weltbank favorisierten Modell der beitragsorientierten individuellen Altersversorgungspläne (sogenannte defined contributions) in der 2. Säule. Dazu Brigitte Miksa, Leiterin International Pensions bei Allianz Global Investors: 'Durch Einführung einer kapitalgedeckten 2. Säule ist es den MOE-Ländern gelungen, die staatlichen Systeme spürbar zu entlasten. Damit sind sie vielen westeuropäischen Ländern voraus, auch was die Diversifizierung der Einkünfte im Ruhestand betrifft.'
Beim Aufbau der kapitalgedeckten 2. Säule entschieden sich die MOE-Länder für quantitative Beschränkungen der Anlageformen als Regulierungsprinzip. In vielen Ländern bestehen daher Limits für Aktienbestände und ausländische Assets. Eine garantierte Mindestverzinsung - insbesondere in Form relativer Garantien wie in Polen - wird ebenfalls in vielen MOE-Ländern gefordert. Die Tschechische Republik ist das einzige Land, in dem Rentenfonds eine absolute Garantie bieten müssen. Relative und absolute Garantien beschränken einen Fonds insofern, als dass er nur sehr beschränkt in risikoreichere Anlageformen, wie beispielsweise Aktien, investieren kann. Diese Assets rentieren sich zwar auf lange Sicht, können allerdings über Jahresfrist Verluste einfahren.
Dazu Brigitte Miksa: 'Die Regierungen der MOE-Länder werden eine Balance finden müssen zwischen dem Wunsch, die nationalen Kapitalmärkte auszubauen, und der Notwendigkeit, effiziente Pensionsfondsinvestitionen zu ermöglichen. Es hat ein schneller Kapitalaufbau begonnen, wodurch Mittel- und Osteuropa zu einem attraktiven Markt für Vermögensverwalter und Versicherungsgesellschaften geworden ist.'
In diesem Zusammenhang ist die Einführung so genannter Lifecycle-Investmentstrategien besonders interessant. Dieses Konzept basiert auf der kundenspezifischen Vermögensstrukturierung je nach Risikoprofil und Alter des Versicherten. Danach verringert sich der Anteil risikoreicher Anlageformen bei zunehmendem Alter des Investors, so dass Schwankungen an den Finanzmärkten möglichst keinen Einfluss auf die Höhe der Versorgungsleistungen haben. Einige MOE-Staaten haben bereits die ersten Schritte in diese Richtung getan, indem sie Anbietern gestatten (oder sie sogar dazu verpflichten), mehr als einen Fonds mit unterschiedlichen Kombinationen aus Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumenten anzubieten. Investoren können dadurch den passenden Fondstyps für Alter und Risikopräferenz wählen.
Die Studie enthält die Ergebnisse des von Allianz Dresdner Economic Research entwickelten 'Reformdruckindikators' für MOE, der misst, inwieweit staatliche Rentensysteme in Europa den demografischen Wandel bewältigen. 'Da die meisten MOE-Staaten leistungsfähige kapitalgedeckte Systeme eingeführt haben, sind sie - in der Logik des Index - auf dem richtigen Weg', so Brigitte Miksa. Noch ist das Vorsorgesparen für die freiwillige private Altersvorsorge unterentwickelt. Das kann sich aber ändern, wenn der Wohlstand in Mittel- und Osteuropa zunimmt. Auch die Risikoneigung ist in MOE noch wenig ausgeprägt. Bislang zieht man die Investition in traditionelle Anlageformen wie Immobilien und Sparguthaben vor. Aktienbesitz besteht vielfach nur infolge des Privatisierungsprozesses der späten 1990er Jahre.
Dies ist der zweite von Allianz Global Investors herausgegebene Bericht zu den Rentensystemen der MOE-Länder. Der erste Bericht erschien 2004. Untersucht wurden folgende Länder: Bulgarien, Kroatien, die Tschechische Republik, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowenien und die Slowakei. Die Tschechische Republik, Litauen und Slowenien sind die einzigen Länder, die keine privaten Rentenpflichtversicherungen eingeführt haben, sondern alternative Formen der Altersvorsorge.
Wichtige Kernaussagen der Studie sind:
• Die MOE-Staaten sehen sich ähnlichen demografischen Problemen gegenüber wie der Westen. Die Geburtenziffer in diesen Ländern beträgt gegenwärtig 1,24 bis 1,42 Kinder pro Frau. Rechnerisch müssten pro Frau 2,1 Kinder geboren werden, um die Bevölkerung konstant zu halten. Den Prognosen zufolge wird die Bevölkerung der elf untersuchten Länder bis 2050 um 15 Prozent - das sind 16 Millionen Menschen - schrumpfen. Dagegen wird der Altenquotient bis 2050 auf 50 steigen. Dann werden zwei Erwerbstätige einen Rentner finanzieren müssen. Momentan sind es noch fünf.
• Als Reaktion auf die demografische Entwicklung und die wirtschaftliche Transformation in MOE wurden die staatlichen Renten gekürzt, die mit den Sozialversicherungsbeiträgen der Erwerbstätigen finanziert werden. Acht der elf untersuchten Länder haben darüber hinaus verpflichtende kapitalgedeckte Pensionspläne auf individueller Basis eingeführt, um die Einkünfte im Ruhestand auf eine breitere Basis zu stellen und zugleich die Kapitalmärkte weiterzuentwickeln. Diese Pensionspläne werden von externen Pensionsfonds verwaltet und stellen die 2. Säule des Rentensystems in MOE dar. Ungarn und Tschechien haben kürzlich begonnen, Beschränkungen bei der Vermögensstrukturierung von Pensionsfonds abzubauen.
• Nach Einschätzung von Allianz Global Investors werden die Pensionsmärkte der MOE-Länder bis 2015 jährlich um 19 Prozent wachsen. Das entspricht einer Zunahme des Volumens von 51 Mrd. Euro auf 245 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von 60 Prozent an den MOE-Märkten ist Polen gegenwärtig der größte Markt. Auf die drei Visegrad-Staaten Ungarn, Polen und Tschechien werden 80 Prozent des für 2015 prognostizierten Volumens entfallen, obwohl ihr Bevölkerungsanteil nur 55 Prozent entspricht.
Zwar sind die demografischen Aussichten für die MOE-Länder ungünstig, es sind jedoch nicht alle Staaten im gleichen Maße betroffen. Bulgarien wird bis 2050 ein Drittel seiner Bevölkerung eingebüßt haben, Rumänien 20 Prozent und Polen 10 Prozent. Gegenwärtig liegt der Altenquotient in Zentral- und Osteuropa bei 20. Das bedeutet, dass auf 100 Erwerbstätige (Altersklasse 15 bis 64 Jahre) 20 Rentner (Altersklasse über 65 Jahre) entfallen. Diese Ziffer wird bis 2035 voraussichtlich auf 33 und bis 2050 auf 50 steigen.
Unter kommunistischer Herrschaft waren die Renten alleinige Sache des Staates und Frühverrentung war weit verbreitet. Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme reformierten die MOE-Staaten ihre nach dem Umlageprinzip finanzierten staatlichen Pläne, indem sie das Rentenalter erhöhten, die Leistungsformel änderten und den Beitragszeitraum verlängerten. Systeme der betrieblichen Altersversorgung im westeuropäischen Sinn sind erst jetzt im Entstehen begriffen. So hat Rumänien gerade Systeme der betrieblichen Altersversorgung als 'dritte Säule' eingeführt. Die Einführung von Systemen der beruflichen Altersversorgung wurde zum Teil von der EU-Richtlinie über Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung vorangetrieben.
Die Reformen in MOE folgten dem von der Weltbank favorisierten Modell der beitragsorientierten individuellen Altersversorgungspläne (sogenannte defined contributions) in der 2. Säule. Dazu Brigitte Miksa, Leiterin International Pensions bei Allianz Global Investors: 'Durch Einführung einer kapitalgedeckten 2. Säule ist es den MOE-Ländern gelungen, die staatlichen Systeme spürbar zu entlasten. Damit sind sie vielen westeuropäischen Ländern voraus, auch was die Diversifizierung der Einkünfte im Ruhestand betrifft.'
Beim Aufbau der kapitalgedeckten 2. Säule entschieden sich die MOE-Länder für quantitative Beschränkungen der Anlageformen als Regulierungsprinzip. In vielen Ländern bestehen daher Limits für Aktienbestände und ausländische Assets. Eine garantierte Mindestverzinsung - insbesondere in Form relativer Garantien wie in Polen - wird ebenfalls in vielen MOE-Ländern gefordert. Die Tschechische Republik ist das einzige Land, in dem Rentenfonds eine absolute Garantie bieten müssen. Relative und absolute Garantien beschränken einen Fonds insofern, als dass er nur sehr beschränkt in risikoreichere Anlageformen, wie beispielsweise Aktien, investieren kann. Diese Assets rentieren sich zwar auf lange Sicht, können allerdings über Jahresfrist Verluste einfahren.
Dazu Brigitte Miksa: 'Die Regierungen der MOE-Länder werden eine Balance finden müssen zwischen dem Wunsch, die nationalen Kapitalmärkte auszubauen, und der Notwendigkeit, effiziente Pensionsfondsinvestitionen zu ermöglichen. Es hat ein schneller Kapitalaufbau begonnen, wodurch Mittel- und Osteuropa zu einem attraktiven Markt für Vermögensverwalter und Versicherungsgesellschaften geworden ist.'
In diesem Zusammenhang ist die Einführung so genannter Lifecycle-Investmentstrategien besonders interessant. Dieses Konzept basiert auf der kundenspezifischen Vermögensstrukturierung je nach Risikoprofil und Alter des Versicherten. Danach verringert sich der Anteil risikoreicher Anlageformen bei zunehmendem Alter des Investors, so dass Schwankungen an den Finanzmärkten möglichst keinen Einfluss auf die Höhe der Versorgungsleistungen haben. Einige MOE-Staaten haben bereits die ersten Schritte in diese Richtung getan, indem sie Anbietern gestatten (oder sie sogar dazu verpflichten), mehr als einen Fonds mit unterschiedlichen Kombinationen aus Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumenten anzubieten. Investoren können dadurch den passenden Fondstyps für Alter und Risikopräferenz wählen.
Die Studie enthält die Ergebnisse des von Allianz Dresdner Economic Research entwickelten 'Reformdruckindikators' für MOE, der misst, inwieweit staatliche Rentensysteme in Europa den demografischen Wandel bewältigen. 'Da die meisten MOE-Staaten leistungsfähige kapitalgedeckte Systeme eingeführt haben, sind sie - in der Logik des Index - auf dem richtigen Weg', so Brigitte Miksa. Noch ist das Vorsorgesparen für die freiwillige private Altersvorsorge unterentwickelt. Das kann sich aber ändern, wenn der Wohlstand in Mittel- und Osteuropa zunimmt. Auch die Risikoneigung ist in MOE noch wenig ausgeprägt. Bislang zieht man die Investition in traditionelle Anlageformen wie Immobilien und Sparguthaben vor. Aktienbesitz besteht vielfach nur infolge des Privatisierungsprozesses der späten 1990er Jahre.
Dies ist der zweite von Allianz Global Investors herausgegebene Bericht zu den Rentensystemen der MOE-Länder. Der erste Bericht erschien 2004. Untersucht wurden folgende Länder: Bulgarien, Kroatien, die Tschechische Republik, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowenien und die Slowakei. Die Tschechische Republik, Litauen und Slowenien sind die einzigen Länder, die keine privaten Rentenpflichtversicherungen eingeführt haben, sondern alternative Formen der Altersvorsorge.
Quelle: Allianz Group
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