Privatversicherte haben kein Interesse, den Krankenversicherer zu wechseln


55 Prozent der Privatversicherten halten sich für schlecht informiert - maximal die Hälfte kennt die wichtigsten Kernelemente der Gesundheitsreform - nur zwei Prozent der Privatversicherten haben Interesse am Wechsel in den Basistarif oder des Versicherers.

In wenigen Monaten erfährt die private Krankenversicherung (PKV) die tief greifendste Veränderung seit Jahrzehnten: Mit der Einführung des Basistarifes und der Möglichkeit zur Mitnahme eines Teils der Alterungsrückstellungen beim Versichererwechsel treten am 1. Januar 2009 die für die PKV wesentlichen Kernelemente der Gesundheitsreform in Kraft. Allerdings: Diejenigen, die es betrifft - die Privatversicherten - sind erschreckend schlecht über diese Neuerungen informiert. Nur maximal die Hälfte der Befragten konnten grundlegende Aussagen richtig beurteilen, in einigen Punkten war nur ein Viertel richtig informiert. Das ergab die aktuelle repräsentative Bevölkerungsbefragung "Continentale-Studie 2008". Darüber hinaus sind die Privatversicherten nicht daran interessiert, von den politisch gewollten Neuerungen Gebrauch zu machen, so ein weiteres Ergebnis der "Continentale-Studie 2008": Nur zwei Prozent der Befragten würden einen Wechsel in den Basistarif oder des Krankenversicherers überhaupt ernsthaft in Erwägung ziehen.

764 Privatversicherte befragt

Zum achten Mal in Folge untersuchte die Continentale Krankenversicherung a.G. in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest die Haltung der Bevölkerung zum Gesundheitswesen. Befragt wurden 1.263 Personen. Ein Schwerpunkt der "Continentale-Studie 2008": Die Informiertheit der Privatversicherten und ihre Einstellung zum neuen Basistarif und zur Möglichkeit, ab 2009 den Krankenversicherer unter Mitnahme eines Teils ihrer Alterungsrückstellung zu wechseln. Zu diesem Zweck wurde in einer separaten Betrachtung die Einstellung von 764 Privatversicherten erhoben - repräsentative Aussagen sind somit möglich.


Informiertheit der Privatversicherten erschreckend schlecht


Wer von neuen, grundsätzlichen Regelungen betroffen ist, sollte sie kennen und verstehen - zumal wenn sie so umfassend diskutiert wurden, wie es bei der Gesundheitsreform der Fall ist. Allerdings: Nur 10 Prozent der PKV-Versicherten sagen, sie seien "sehr gut" über die neuen Regelungen der Gesundheitsreform wie Basistarif oder Wechselrecht für Bestandskunden informiert. Weitere 34 Prozent meinen, sie seien "gut" informiert. Für "eher schlecht" informiert halten sich dagegen 33 Prozent und für "schlecht" informiert weitere 22 Prozent.

Bei Detailfragen zum Basistarif ergab sich ein entsprechend ernüchterndes Bild: Unabhängig von der persönlichen Einschätzung der Informiertheit konnte nur maximal die Hälfte der PKV-Versicherten richtig beurteilen, ob eine Aussage über den Basistarif den Tatsachen entspricht. Der richtigen Aussage "Im Basistarif gibt es keine Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse" stimmten sogar nur 26 Prozent der Befragten zu - und das, obwohl es sich hierbei um ein zentrales Element des Basistarifes handelt.


PKV-Versicherte haben kein Interesse am Wechsel


Die Gesundheitsreform bringt vor allem zwei einschneidende Veränderungen für die Privatversicherten, die unter dem Aspekt des Verbraucherschutzes eingeführt werden: die Schaffung des Basistarifes und die Möglichkeit, den Krankenversicherer unter Mitnahme eines Teils der Alterungsrückstellung zu wechseln. Doch wie groß ist das Interesse der Betroffenen, von diesen Möglichkeiten Gebrauch zu machen? Die Befragungsergebnisse sind eindeutig: Nur 2 Prozent der Privatversicherten halten einen Wechsel in den Basistarif für "sehr interessant", weitere 8 Prozent für "interessant". Dem gegenüber stehen 29 Prozent, die einen Wechsel für "weniger interessant" halten und sogar 56 Prozent, für die ein Wechsel "nicht interessant" ist.

Und wie steht es mit dem Wechsel des Krankenversicherers, der zukünftig vereinfacht werden wird? Auch diese Möglichkeit geht an den Interessen der Privatversicherten völlig vorbei: Nur 2 Prozent beabsichtigen, den Versicherer "bestimmt" zu wechseln. 4 Prozent geben an, sie würden dies "wahrscheinlich" tun. Im Gegensatz zu dieser kleinen Gruppe meinen 20 Prozent, sie würden ihren Versicherer "wahrscheinlich nicht" wechseln wollen, 74 Prozent haben das "bestimmt nicht" vor.

Wenn überhaupt ein Wechsel in Frage kommt, dann nur unter dem Aspekt "Qualität", nicht unter dem Aspekt "Preis": Für 87 Prozent sind bessere Leistungen ein Grund, den Versicherer zu wechseln; nur 26 Prozent führen den Aspekt "niedriger Beitrag" als Wechselgrund an.


Höhere Beiträge zugunsten einer Wechselmöglichkeit nicht akzeptiert


Das künftige Wechselrecht ist also für Privatversicherte nicht interessant. Gestützt wird dieses Ergebnis durch die Abfrage, wie viel den Privatversicherten das neue Wechselrecht denn wert sei. Auch hier ist das Votum eindeutig: 56 Prozent der Privatversicherten wollen keinerlei Kosten für dieses Recht in Kauf nehmen. Nur 7 Prozent ist das Wechselrecht einen Beitragsanstieg um mehr als 10 Prozent wert - und soviel mehr werden die PKV-Tarife mit Wechselrecht ab 2009 aller Voraussicht nach mindestens kosten.

Kritische Sicht auf Wechselzeitraum für Bestandsversicherte

Neben der Abfrage des grundsätzlichen Wechselinteresses hat die "Continentale-Studie 2008" - wie bereits im Vorjahr - erneut ein besonderes Augenmerk auf den Wechselzeitraum für Bestandsversicherte im ersten Halbjahr 2009 gelegt. Hier haben die befragten Privatversicherten nach wie vor sehr dezidierte Ansichten: So sehen 82 Prozent durchaus auch Risiken beim Wechsel des Krankenversicherers - drei Prozent mehr als im Vorjahr. Eine wichtige Rolle bei der Beratung spielt wie im Vorjahr der Versicherungsvermittler, nur 22 Prozent halten seinen Rat für "gar nicht wichtig". Allerdings: Es gibt auch die Befürchtung, Vermittler würden möglichst vielen Privatversicherten zu einem Wechsel raten, um Provisionen zu kassieren. Dies glauben 78 Prozent - 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Ebenfalls gestiegen ist die kritische Sicht auf die Versicherer: 77 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, die Versicherer würden im Wechselzeitraum mit Lockvogelangeboten arbeiten - 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Ordnungspolitisch verfehlt und am Bedarf vorbei"

Für Rolf Bauer, Vorstandsvorsitzender der Continentale Krankenversicherung a.G., liegt das Fazit der Studien-Ergebnisse klar auf der Hand: "Die Continentale-Studie 2008 stützt die Erkenntnisse, die wir bereits aus der Studie des vergangenen Jahres gezogen haben: Die Gesundheitsreform ist nicht nur ordnungspolitisch verfehlt, sondern sie geht auch im Sinne des Verbraucherschutzes komplett am Bedarf der Betroffenen vorbei. Seitens der Politik wurden vermeintliche Missstände aufgebauscht, um angeblich verbraucherfreundliche Regelungen schaffen zu können. Das Problem ist nur: Die Betroffenen wollen keine der neuen Regelungen, müssen dafür aber tief in die Tasche greifen." Denn die neue Tarifwelt der PKV, die ab 2009 angeboten werden muss, wird dann für alle neuen PKV-Versicherten teurer.

Wechsel noch in 2008

"Aus diesem Grunde kann ich jedem nur dazu raten, noch in 2008 in die PKV zu wechseln, beziehungsweise seinen Versicherungsschutz umzustellen. Wer noch in diesem Jahr in die private Krankenversicherung geht, sichert sich die alte PKV-Welt mit den bekannten Beiträgen und hält sich alle Optionen, auch einen späteren Wechsel in die neuen, teureren Tarife offen", so der Vorstandsvorsitzende der Continentale Krankenversichersicherung. In Richtung Vermittler mahnt Rolf Bauer zur Achtsamkeit: "Schon aus Haftungsgründen muss heute jeder Vermittler sehr genau analysieren, ob er in diesem Jahr tatsächlich seinem Kunden dazu raten kann, auf die neue Tarifwelt 2009 zu warten. In den allermeisten Fällen ist der richtige Rat: Wechsel noch in 2008."

Quelle: Continentale Versicherung

 





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