Gesundheitsreform macht gesetzliche Krankenversicherung bis zu 20 Prozent teurer
Erstmals hat eine Bundesregierung selbst beschlossen, wie viel die Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen (GKV) künftig für ihre Krankenversicherung bezahlen müssen. 'Mit der Einführung des Gesundheitsfonds am 1. Januar gilt der einheitliche Beitragssatz von 15,5 Prozent. Für einige gesetzlich Versicherte wird es dann um bis zu 20 Prozent teurer, ohne dass sie dafür mehr Leistungen bekommen' sagt der für das Krankenversicherungsgeschäft der ERGO Versicherungsgruppe zuständige Vorstand, Günter Dibbern. Zur ERGO gehören die privaten Krankenver-sicherer DKV Deutsche Krankenversicherung und Victoria Krankenversicherung. Freiwillig in der GKV versicherten Selbstständigen drohen sogar Leistungskürzungen. Sie erhalten ab Januar kein Krankengeld mehr.
Die günstigsten GKV-Beitragssätze liegen derzeit bei 13,4 Prozent inklusive der vom Arbeitnehmer allein zu tragenden 0,9 Prozent für Zahnersatz. Im Vergleich zum Januar vergangenen Jahres trifft die gesetzlich Versicherten nicht nur die Differenz zwischen ihrem bisher niedrigem Beitragssatz und dem höheren neuen Einheitssatz von 15,5 Prozent. Zeitgleich steigt auch die Be-rechnungsbasis, die so genannte Beitragsbemessungsgrenze um 75 Euro auf 3.675 Euro pro Monat. Wer mehr verdient, muss nicht nur den höheren Beitragssatz bezahlen. Dieser Satz wird obendrein auf einen um 75 Euro höheren Teil seines Verdienstes berechnet. Wer unter der aktuellen Grenze von 3.600 Euro liegt und im laufenden Jahr eine Gehaltserhöhung bekommen hat, bekommt von seinem Gehaltszuwachs künftig ebenfalls die vollen 15,5 Prozent abgezogen. 'Beim Vergleich seiner Gehaltsabrechnung vom nächsten Januar mit der vom Januar dieses Jahres, wird mancher feststellen, dass er im ungünstigsten Fall zwischen 35 und 47 Euro mehr bezahlt', sagte Dibbern. Arbeitgeber müssten ebenfalls mit Belastungen in dieser Größenordnung rechnen.
Angesichts der Beitragsentwicklung in der GKV warb Dibbern für einen Einstieg in die Kapitaldeckung nach dem Muster der privaten Krankenversicherung (PKV). 'Eine umfassende Gesundheitsversorgung aller Menschen bedingt zwingend zumindest einen Einstieg. Sonst gerät eine ganze Generation zwischen die Mühlsteine der bisherigen Umlagefinanzierung der GKV', sagte Dibbern. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung zahlen in der GKV die heute jüngeren Generationen für die Versorgung der älteren Generation. Im Alter erhalten sie deutlich weniger Leistungen, weil im System der Nachwuchs fehlt. 'Deshalb muss die Politik sie so schnell wie möglich in die Lage versetzen, selbst für ihr Alter vorsorgen zu können', so Dibbern.
Quelle: www.ergo.com