Fremdwährungskreditnehmer in der Klemme
Nicht wenige Kunden sahen neben der Kreditaufnahme im eigenen Lande noch eine bessere Möglichkeit, ein günstiges Darlehen zu erhalten, nämlich in Form eines Fremdwährungsdarlehens.
Ausnutzung niedrigerer Zinsniveaus
Der Kunde verspricht sich durch die Aufnahme des Kredites in einer anderen Währung zum einen günstigere Kreditzinsen als in Deutschland oder Österreich, zum anderen auch Gewinne in dem Sinne, dass Wechselkurs der fremden Währung gegenüber dem Euro fällt.
Üblicherweise werden während der Laufzeit der Fremdwährungsdarlehen nur die Zinsen gezahlt, die Rückzahlung des eigentlichen Kreditbetrages erfolgt in einer Summe am Laufzeitende. Sollten sich die Wechselkurse allerdings in eine andere Richtung entwickeln, als vom Kreditnehmer erhofft, kann das zunächst sehr zinsgünstige Fremdwährungsdarlehen auch sehr teuer werden. Das ist zum Beispiel bei einem Fremdwährungskredit dann der Fall, wenn der Kurs dieser Währung seit der Kreditaufnahme deutlich an Wert gegenüber dem Euro gewonnen hat, sprich die Euro-Notierung gesunken ist. Steht nun das Laufzeitende des Darlehens in absehbarer Zeit bevor und sind die Wechselkurse der Fremdwährung wie angesprochen gegenüber dem Euro deutlich gestiegen, steht der Kreditnehmer vor einem größeren Problem. Er muss dann nämlich vom Wert her eine höhere Kreditsumme zurückzahlen, als er eigentlich aufgenommen hat (unabhängig von der Zinshöhe).
Devisenspekulation
Angenommen, ein Kreditnehmer hat vor zwei Jahren einen Fremdwährungskredit über 50.000 Schweizer Franken aufgenommen. Beim damaligen Kurs von 0,60 Euro für einen Schweizer Franken wäre das eine Kreditsumme von 30.000 Euro, die er erhalten hätte. Ist der Kurs des Schweizer Franken nun zum Beispiel auf 0,70 Euro gestiegen, müsste der Kunde 35.000 Euro an Wert in Franken zurückzahlen, also 5.000 Euro mehr als die Darlehenssumme ursprünglich war. Da die Kurse des Schweizer Franken und des Yen gegenüber dem Euro in der letzten Zeit gestiegen sind, stehen viele Kreditnehmer vor diesem Problem.
Kursrückgänge bei Tilgungsträgern
Wie bereits erwähnt, werden während der Laufzeit nur die Zinsen bezahlt. Um die endfälligen Kredite zurückbezahlen zu können, müssen Kreditnehmer während der Laufzeit in einen so genannten Tilgungsträger ansparen. In der Regel sind diese Tilgungsträger Fonds. Wenn dieser Tilgungsträger nun - wie in der aktuellen Situation geschehen - deutlich an Wert verliert, dann wird der vorkalkulierte Gegenwert des Tilgungsträgers am Laufzeitende nicht ausreichen, um den Fremdwährungskredit vollständig zurückzubezahlen.
Neben dem ungünstigen Kursverlauf der Währungen stehen Fremdwährungskreditnehmer nun vor dem zusätzlichen Problem des Wertverfalls des Tilgungsträgers.
Schadensbegrenzung ist angesagt
Fazit:
In Zeiten, in denen sich sowohl die Zinsen, die Währungen und die Tilgungsträger in die gewünschte Richtung bewegten, hörte man kaum etwas über die Risiken dieser 'lukrativen' Finanzierungsform. Zugegebener weise konnten Kreditnehmer mit FW-Krediten in der Vergangenheit wesentlich besser abschneiden als mit Euro-Krediten.
Damit ist es nun vorbei. Leider ist nun, im allgemeinen Katzenjammer festzustellen, dass viele Kreditnehmer nicht ausreichend über die Risiken dieser Finanzierungsform informiert sind. In Zukunft wird sich das Problem ohnehin lösen, da die Banken keine Fremdwährungskredite mehr vergeben.
Aber auch dann, wenn diese Finanzierungsformen wieder zur Verfügung stehen sollten, ist es im Sinne eines besseren Schlafes sicher vernünftiger, etwas höhere Zinsen im Euroraum zu bezahlen, als sich den Gewalten der Märkte in Form von Fremdwährungskrediten auszusetzen.
