Insolvenzen: Trendwende erst 2011


Eine schnellere Besserung ist nach der Prognose des Kreditversicherers bei den Not leidenden Forderungen zu erwarten, die 2009 infolge von Großpleiten um mehr als 230 Prozent auf insgesamt 73,1 Milliarden Euro hochschnellten. Ohne diesen Sondereffekt von Großpleiten dürfte 2010 die Summe der Not leidenden Forderungen wieder deutlich zurückgehen - und zwar um 62,8 Prozent auf 27,2 Milliarden Euro. Gegenüber 2008 bedeutet das aber immer noch ein um ein knappes Viertel höheres Niveau. Für 2011 ist mit einem weiteren Rückgang um voraussichtlich noch einmal 11,8 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro zu rechnen.

"Die absehbare Trendumkehr ist zwar erfreulich, aber von den Insolvenzen geht weiterhin eine große Gefahr aus. Noch ist die Wirtschaft nicht auf einen stabilen Wachstumspfad zurückgekehrt, und das Risiko eines konjunkturellen Rückschlags bleibt groß. Ausfälle von Forderungen können Firmen auch weiterhin in eine existenzielle Krise stürzen", sagt Ralf Meurer, Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG. Was die Geschäftspolitik des Kreditversicherers betrifft ergänzt er: "Wir werden aber trotzdem für unsere Kunden wieder mehr Risiken in Deckung nehmen und sie so in dieser noch schwierigen Aufschwungsphase angemessen unterstützen."

Geringer Insolvenzanstieg 2010



Von den Hauptbranchen in Deutschland bleibt im Verarbeitenden Gewerbe und den Dienstleistungen die Lage angespannt. In beiden Sektoren steigt die Zahl der Firmeninsolvenzen 2010 weiter an. Das Verarbeitende Gewerbe, 2009 mit einem Zuwachs von gut 40 Prozent weitaus am härtesten getroffen, verzeichnet 2010 voraussichtlich ein nochmaliges, wenn auch moderates Plus von 1,9 Prozent. Dabei sind in wichtigen Industriezweigen wie dem Maschinenbau und der EDV-Branche anhaltende aber abgeschwächte Zuwächse zu erwarten, während zum Beispiel im Automobilbau, aber auch im Bereich Eisen und Stahl die schwere Insolvenzwelle langsam abebbt. Bei den Dienstleistungen gehen 2010 voraussichtlich 18.170 Betriebe in die Pleite, das sind 5,2 Prozent mehr als 2009 und 54,9 Prozent aller gewerblichen Insolvenzfälle.

Im Baugewerbe und im Handel sinkt dagegen schon 2010 die Zahl der Firmenpleiten, bei den Baufirmen um 8,3 Prozent, im Handel um 1,6 Prozent. Das Baugewerbe, jahrelang die Sorgenbranche der deutschen Wirtschaft, schneidet damit, wie schon in den beiden Jahren zuvor, in dieser Hinsicht besser ab als die anderen Hauptbranchen der deutschen Wirtschaft.

Ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle



In den alten Bundesländern wird die Zahl der Firmenpleiten 2010 voraussichtlich noch einmal um 2,0 Prozent auf 26.900 Fälle steigen. In den neuen Bundesländern und in Berlin wird es bereits in diesem Jahr einen Rückgang geben: In den neuen Ländern um 1,7 Prozent auf 4.730 und in Berlin um 1,9 Prozent auf 1.470 Fälle. Bei den Insolvenzquoten ergibt sich wie in den Jahren zuvor auch 2010 ein ausgeprägtes Ost-West- und Nord-Süd-Gefälle. Einzige Ausnahme von diesem Muster ist Nordrhein-Westfalen, das mit einer Quote von 172 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen mit weitem Abstand an der Spitze aller Bundesländer liegt und auch weit über dem gesamtdeutschen Schnitt von 104. Auf den nächsten Plätzen folgen Sachsen-Anhalt (140), Sachsen (128) und das Saarland (117) als zweitschlechtestes westdeutsches Bundesland, vor Schleswig-Holstein (114). Baden-Württemberg führt die Rangliste als bestes Bundesland mit einer Quote von 61 an, gefolgt von Bayern (69), Hessen (76) und Thüringen (81) als dem besten ostdeutschen Bundesland.

Hamburg wird sich nach der Prognose von Euler Hermes 2010 schlechter entwickeln als die alten Bundesländer insgesamt. Nach der Pleitewelle im Vorjahr (+ 30,3 Prozent) klettern die Insolvenzzahlen 2010 voraussichtlich nochmals um 5,0 Prozent auf 880 Fälle und erreichen damit ihren voraussichtlichen Höhepunkt. Für 2011 wird ein Rückgang um 11,4 Prozent auf 780 Firmeninsolvenzen erwartet. Beim Vergleich der Insolvenzquoten nimmt Hamburg 2010 einen Mittelplatz (100) ein.

Quelle: www.allianz.com

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