Anz.

Baugemeinschaften: Gut beraten zum günstigen Darlehen


Nicht nur bei der Gestaltung des Wohnumfelds, sondern auch bei der Organisation des Bauens gibt es derzeit einen neuen Trend: Besonders in Städten schließen sich immer mehr Bauwillige zu Baugemeinschaften zusammen. Gemeinsam wollen sie ein Bauvorhaben realisieren - und dabei möglichst viele eigene Vorstellungen verwirklichen. Zumeist handelt es sich dabei um Reihenhäuser oder um Wohngebäude mit mehreren Eigentumswohnungen. Ihre Eigentümer können sich selbst aussuchen, mit wem sie Wand an Wand ziehen - und sind zumeist schon lange vor dem Einzug eine wirkliche Gemeinschaft. Ein Vorteil, der gerade für junge Familien, deren Kinder Spielkameraden suchen, oder auch für ältere Bauherren nicht zu unterschätzen ist, die dort ihren Lebensabend verbringen wollen.

Bei diesen Zusammenschlüssen unterscheidet man zwischen rein privat organisierten und betreuten Baugemeinschaften, bei denen viele Fäden in der Hand eines professionellen Baubetreuers zusammenlaufen. Er kümmert sich bei betreuten Baugemeinschaften um die Organisation und Abwicklung des Bauvorhabens gegen einen bestimmten Kostenanteil. Darauf spezialisierte Unternehmen koordinieren die Planungsleistungen, Projektentwicklung und -leitung, technische Steuerung, Abrechnung und Vermarktung des Bauvorhabens.

Bis es soweit ist, müssen sich zunächst genügend Interessierte in einer Planungsgemeinschaft zusammengefunden haben, die dann mittels eines Gesellschaftsvertrages zu einer Baugemeinschaft wird - mit Vorstand und exakter Aufgabenverteilung. Die weiteren Schritte sind dann, das vorher ausgesuchte Grundstück zu kaufen und von einem Notar die Teilungsurkunde beurkunden zu lassen.

Zwar ist das Bauen in Baugemeinschaften aufgrund der zahlreichen zu treffenden Absprachen zeitintensiv, dafür sind Wohnungen oder Häuser vielfach günstiger als auf dem freien Markt. Dies wird durch höhere Kostentransparenz als bei einem Bauträger erreicht, aber auch weil die Gewinnmarge des Wohnungsverkäufers entfällt und die Einkaufspreise des Baumaterials günstiger sind. Mitunter gelingt es auch durch Eigenleistungen der Gemeinschaft, den Preis zu drücken. Im Vergleich zum Kauf von der Stange sind Ersparnisse für eine 100-Quadratmeter-Wohnung von bis zu 30.000 Euro möglich, schätzen Experten.

Allerdings sind nicht alle Banken bereit, diese neue Form des Bauens zu begleiten. Denn eine Standard-Baufinanzierung, wie sie beispielsweise im Internet angeboten wird, ist bei einer Baugemeinschaft nicht möglich. "Das ist eine komplexe Form der Finanzierung, bei der man das persönliche Gespräch mit einem qualifizierten Berater suchen sollte", sagt Dr. Ralph Müller, Leiter Baufinanzierung Deutsche Bank. Zum Beispiel bei der Berechnung der optimalen Tilgungsgeschwindigkeit und Ratenhöhe oder bei der Berücksichtigung von Fördermitteln. Aber auch, weil die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft gesamtschuldnerisch haften und deshalb eine sorgfältige Begleitung durch Experten rascher Risiken entdecken lässt. Denn gesamtschuldnerische Haftung bedeutet, dass jeder für diejenigen während des Bestehens der Baugemeinschaft einstehen muss, die als Mitfinanzierer ausfallen.

Dies ändert sich, wenn der Zweck der Baugemeinschaft erreicht ist, die Immobilien bezogen sind - und alle nur noch für ihre eigene Darlehenstilgung verantwortlich sind. Dann ist jeder Schuldner nur seines Darlehens - mit individueller Darlehenshöhe, Beleihung, Zinsbindungsfrist und Grundschuldeintrag. Und aus der Baugemeinschaft ist dann zumeist eine Wohnungseigentumsgemeinschaft geworden, die von einer erfolgreichen, da zumeist günstigen Finanzierung profitiert.

Quelle: Deutsche Bank




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