Spanien: Die Realität ist besser als die Wahrnehmung

Frankfurt (BoerseGo.de) - Sorgen über die spanische Schulden- und Bankenkrise haben das Bewertungsniveau der spanischen Aktienmärkte auf zuletzt 2003 gesehene Tiefstände gedrückt. In ihrer im Juni 2012 veröffentlichten Monthly Summary beleuchten die europäischen Aktienexperten von Invesco Perpetual in Henley, Großbritannien, die Anlegersorgen und die von der spanischen Regierung eingeleiteten Maßnahmen zur Lösung der strukturellen Probleme des Landes. Ihr Fazit: Die Wahrnehmung scheint schlechter als die Realität. Aktuell notiert der spanische Aktienmarktindex IBEX mit einem hohen Abschlag gegenüber seinem historischen Durchschnitt. Angesichts des pauschalen Risikoabschlags auf spanische Wertpapiere sehen die Aktienexperten von Invesco Perpetual attraktive Anlagechancen in den Aktien gut geführter, erfolgreicher Unternehmen, die von den Märkten zu Unrecht in Sippenhaft genommen worden sind.
Ihre Analyse zeigt, dass die umfangreiche spanische Reformagenda von den Märkten zu einem großen Teil ignoriert wird. „Die Vielzahl der in diesem Jahr verabschiedeten Reformen unterstreicht die Entschlossenheit der Regierung, langjährige Probleme und die Sorgen der Marktteilnehmer zu adressieren“, schreibt Joel Copp-Barton, European Product Director bei Invesco Perpetual. Dazu zählten unter anderem strukturelle Reformen zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit des Finanzsektors, schärfere Kontrollmechanismen zur Steuerung der regionalen Ausgaben, Maßnahmen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Bürokratieabbau und die gezielte Förderung junger Unternehmen.
„Die gleichzeitige Haushaltskonsolidierung, Restrukturierung des Bankensektors und Lösung langfristiger struktureller Probleme stellt die Regierung vor allem kurzfristig vor große Herausforderungen“, sagt Copp-Barton. Allerdings gäbe es auch mehrere positive Faktoren, die diesen Prozess erleichtern könnten. So werde der neue Hilfsfonds zur Bezahlung offenstehender Rechnung der spanischen Kommunen und Regionen der Wirtschaft ab Mai zusätzliche Liquidität in Höhe von rund 3,5 Prozent des BIP zuführen. Zudem zeichne sich ab, dass sich die Lage im Bausektor aufhellt. Für gewisse Wachstumsimpulse könne schließlich auch die spanische Exportwirtschaft sorgen.
„Kurzfristig kommt es vor allem darauf an, das Marktvertrauen in den Bankensektor wiederherzustellen, was voraussichtlich zusätzliches Kapital erfordern wird. Erst dann wird der Markt die umfangreichen Reformbemühungen richtig einschätzen können“, sagt Copp-Barton. Die angekündigte EFSF/ESM-Kreditlinie von „bis zu 100 Milliarden Euro“ bezeichnet er in diesem Zusammenhang als Schritt in die richtige Richtung. Während die Lage kurzfristig schwierig bleiben wird, ist das Invesco-Team überzeugt, dass die erfolgreiche Umsetzung der Reformen die spanische Wirtschaft mittelfristig auf eine bessere Wachstumsgrundlage stellen wird. Auch gebe es bereits ermutigende Hinweise auf erste Schritte zur Behebung der strukturellen Ungleichgewichte.
Insgesamt halten die Investmentexperten die undifferenzierte Abstrafung spanischer Aktien daher für ungerechtfertigt. „Unserer Ansicht nach eröffnet die große Skepsis gegenüber spanischen Wertpapieren einige sehr attraktive Anlagechancen in Unternehmen, die sich durch starke Geschäftsmodelle, eine gute Unternehmensführung und einen hohen Umsatzanteil außerhalb der Eurozone auszeichnen“, so Copp-Barton.

© BörseGo AG 2012 - Autor: Tomke Hansmann

Mehr News

24.05.2013Chancenreiches Japan
24.05.2013Wirtschaftswachstum: Eine Delle, kein Einbruch
24.05.2013China: Investoren vertrauen auf Technologiewerte und ausgewählte Konsumaktien
23.05.2013Vitamine für Ihr Portfolio
23.05.2013Fondsbranche mit bestem Jahresauftakt seit 2007
23.05.2013Die Auswirkungen einer geldpolitischen Straffung
22.05.2013Unternehmensanleihen aus Schwellenländern zur Diversifikation
22.05.2013Trotz Börsenhausse sind deutsche Privatanleger vorsichtig
22.05.2013HSBC bietet Emerging-Markets-Aktien-Fonds mit neuer„Smart Beta“-Strategie
22.05.2013Trüber Ausblick für die Industrie, gute Aussichten für Finanzwerte
22.05.2013Euro-Schwäche zahlt sich für Fremdwährungsanleihen aus
22.05.2013Neuer Schroders-Fonds für europäische Hochzinsanleihen
22.05.2013Fondsbörse Deutschland meldet handelsstarken April 2013
22.05.2013Wölbern startet Abstimmungsmarathon
21.05.2013Gründe für Russlands wirtschaftlichen Abschwung
21.05.2013Hochzinsanleihen bleiben trotz bisheriger Rally attraktiv
21.05.2013Aktienmärkte haben den Gipfel noch nicht erreicht
17.05.2013Positive Impulse treiben weltweite Erholung an
17.05.2013Reflation statt Deflation– auf den japanischen Ottonormalverbraucher kommt es an
17.05.2013Anleger sind so risikofreudig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
17.05.2013Unternehmensanleihen aus Schwellenländern bieten Rendite
16.05.2013Bärenmarkt für Bonds kommt (noch) nicht
16.05.2013Robeco legt neuen Fonds für Schwellenländer-Staatsanleihen auf
16.05.2013Deutsche Anleger vertrauen Aktien mehrheitlich nicht
16.05.2013US-Notenbankpolitik: Wachstum dank steigender Anleihe-, Aktien- und Immobilienpreise
15.05.2013MainFirst legt Absolute Return Multi Asset Fonds auf
15.05.2013Leg dich nicht mit der Bank of Japan an
15.05.2013Drei Jahre Bail-outs in der Eurozone– funktioniert es?
14.05.2013Staatsanleihen: Im Nachhinein ist man immer klüger
14.05.2013Italien: Aktienkurse könnten steigen