EZB-Sitzung am Donnerstag: Zinssenkung erwartet


Angesichts der anhaltend schweren Finanzkrise werden die historisch niedrigen Zinsen nach einhelliger Expertenmeinung im Euro-Raum weiter sinken. Volkswirte erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer nächsten Sitzung an diesem Donnerstag in Frankfurt den Leitzins erneut zurücknehmen wird: um 25 Basispunkte auf das Rekordtief von 1,0 Prozent. Nach der jüngsten Zinslockerung um 0,25 Prozentpunkte im April hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gesagt, das sei "nicht das niedrigste mögliche Niveau": "Ich schließe nicht aus, dass wir weiter senken könnten - in sehr maßvoller Weise." Zudem kündigte Trichet an, bei der Mai-Sitzung über außerordentliche Maßnahmen wie etwa den Ankauf von Anleihen zu berichten.

Niedrigere Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Privatleute und können so die derzeit kriselnde Wirtschaft anschieben. Seit Oktober 2008 hatte die Notenbank den Leitzins im Kampf gegen die Wirtschaftskrise um insgesamt 3,00 Punkte verringert. Er liegt nun auf dem niedrigsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Marke von 1,0 Prozent gilt nach den Aussagen führender Währungshüter als Untergrenze im Euro-Raum. So lehnten etwa EZB- Präsident Trichet und Bundesbankpräsident Axel Weber eine Null-Zins- Politik entschieden ab, wie sie etwa in den USA derzeit gilt: Die US- Notenbank Fed hält ihren Leitzins bei knapp über null Prozent.

Die EZB argumentiere, dass bei noch niedrigeren Zinsen Ausleihungen unter Banken praktisch überhaupt nicht mehr vergütet würden, so dass der Interbankenmarkt zum Erliegen kommen könnte, schreibt die Commerzbank in einer Analyse. Auch Geldmarktfonds sowie Versicherungen, die im Euro-Raum häufig an bestimmte Garantieverzinsungen gebunden seien, würden große Probleme bekommen.

Volkswirt Ulf Krauss von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) vermutet, dass die am Donnerstag "zu erwartende Zinssenkung um 25 Basispunkte" für lange Zeit die letzte Zinslockerung sein" könnte. Dafür spreche auch die allmählich aufkeimende Konjunkturhoffnung. Auch Postbank-Experten halten weitere Leitzinsanpassungen unter 1,0 Prozent für unwahrscheinlich. Sie gehen eher davon aus, dass sich das Niveau von 1,0 Prozent bis weit in das Jahr 2010 halten werde.

Mit Spannung erwartet werden Trichets Aussagen zu den angekündigten unkonventionellen Maßnahmen. Analysten der UniCredit rechnen damit, dass die Laufzeit der Refinanzierungsgeschäfte mit den Geschäftsbanken von sechs auf zwölf Monate verlängert wird. "Das soll die Angst der Banken zerstreuen, sich über den kurzfristigen Horizont hinaus keine Liquidität beschaffen zu können", schreiben die Experten.

Volkswirte der DZ Bank halten es für wahrscheinlich, dass die EZB Geschäftsbanken Unternehmensanleihen abkaufen könnte, um so deren Bilanzen zu entlasten. Durch die überlassene Liquidität ergebe sich mehr Spielraum für die Vergabe neuer Kredite.

Quelle: www.boerse-express.com




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