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Zentralbanken öffnen Geldschleusen neuerlich


Die US-Notenbank öffnet die Dollar-Schleusen sperrangelweit. Wegen der sich zuspitzenden Finanzkrise verabredeten die Fed und neun weitere Zentralbanken, darunter auch die Europäische Zentralbank (EZB), am Montag eine massive Aufstockung von Dollar-Liquidität. Im Zuge so genannter Devisen Swaps stehen somit in den wichtigsten Volkswirtschaften ausserhalb der USA 620 Mrd. Dollar (432 Mrd. Euro) zur Verfügung. Die Notenbanken können dieses Geld verwenden, um ein Austrocknen der Geldmärkte zu verhindern und den Banken die Refinanzierung auf den wegen des zunehmenden Misstrauens quasi leer gefegten Märkten zu ermöglichen.

An der koordinierten Aktion unter Führung der Fed sind neben der EZB auch die Zentralbanken Englands, Japans, Kanadas, Australiens, der Schweiz und Skandinaviens beteiligt.

Bisher hatte die Summe der verfügbaren Dollarbeträge bei 290 Milliarden gelegen. Zusätzlich stockte die Fed auch Kreditlinien für die heimischen Banken in den USA auf.

Bereits am am Montag früh hatten mehrere Zentralbanken von den zuvor bereits zugesagten Dollarbeträgen Gebrauch gemacht und zusammen mit viel frischem Geld in eigener Währung zum wiederholten Mal Milliarden bereitgestellt. Alleine die Europäische Zentralbank pumpte am Montag 120 Mrd. Euro in den Markt, um die Liquidität im europäischen Bankensystem zu sichern.

Auch in Grossbritannien, Asien und Australien reichten die Zentralbanken hohe Summen an die Banken aus. Die Finanzkrise hatte am Wochenende weitere Kreditinstitute in Europa in Schwierigkeiten gebracht.

So musste der deutsche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate mit Milliardenkrediten anderer Banken und Staatsgarantien gerettet werden. Das Münchner Unternehmen ist damit der erste Dax-Konzern, der wegen der Finanzkrise ins Straucheln geriet. Auch der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis erhielt Milliardensummen von den Regierungen der Benelux-Staaten, die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley wird verstaatlicht.

In den USA hatte die Regierung zuletzt zahlreiche Banken vor dem Aus retten müssen. Mit einem Rettungspaket im Volumen von 700 Mrd. Dollar soll nun die Finanzbranche gestützt werden. Die Kreditinstitute sind auch wegen der Engpässe am Geldmarkt in Schieflage geraten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers vor zwei Wochen ist die Kreditvergabe unter den Banken weitgehend versiegt, weil die Institute ihre Liquidität horten.

Die Notenbanken haben seither die Aufgaben des Geldmarktes zum Teil übernommen und Milliardenbeträge in das System gepumpt.

Allein am Montag stellte die Bank von Japan für die japanischen Kreditinstitute umgerechnet 12,4 Mrd. Euro bereit. Die australische Notenbank folgte mit umgerechnet 1,5 Mrd. Euro, die Bank von England mit 40 Mrd. Pfund.

Die EZB kündigte an, einen zusätzlichen Euro-Tender bis mindestens über das Jahresende hinaus zu verlängern. Insgesamt hatten sich 210 Banken für das Zentralbankgeld mit einer Laufzeit von 38 Tagen beworben. Für die 30 Mrd. Dollar der EZB boten 42 Banken; insgesamt wurden Gebote für etwa 57 Mrd. Dollar eingereicht. Der Zinssatz lag bei 3 Prozent. Die hohe Nachfrage bleibt ein Zeichen für die immense Knappheit von Dollar am Geldmarkt. Auch der Zins spricht Bände. Ende vergangener Woche hatte die Zentralbank noch bei einem Zins von 2,25 Prozent zugeteilt.

Wegen der grossen Liquiditätsnot wurde die hoch verzinsten Übernacht-Geldgeschäfte der EZB von den Banken so stark genutzt wie noch nie. Bis Sonntag parkten die Kreditinstitute gut 28 Milliarden Euro bei der Einlagefazilität, teilte die EZB am Montag mit. Zugleich griffen sie auf etwa 6,8 Milliarden Euro der Spitzenrefinanzierungsfazilität zurück, um akute Engpässe zu vermeiden. Die Zinssätze sind bei den Übernacht-Geschäften für die Banken ungünstig: Für Einlagen erhalten sie 3,25 Prozent, für Kredite müssen sie 5,25 Prozent Zinsen zahlen. Der Leitzins liegt derzeit bei 4,25 Prozent.

Quelle: www.boerse-express.com



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