Stagflation unwahrscheinlich
Die hohen Ölpreise, die steigenden Lebenshaltungskosten und die sich
zusehends eintrübenden Konjunkturaussichten rufen Erinnerungen an die
siebziger und achtziger Jahre wach, als Deutschland zweimal in eine Phase
der "Stagflation" geriet, jenen schmerzhaften Zustand der Volkswirtschaft,
der durch wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitiger hoher Inflation und
Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist. Trotz Ähnlichkeiten mit der Situation
der siebziger und achtziger Jahre glauben die Volkswirte der Deutschen
Postbank AG jedoch nicht an eine Rückkehr des Stagflations-Gespenstes. "Von
einer dauerhaften inflationären Entwicklung kann derzeit noch keine Rede
sein", sagt Marco Bargel, der Chefvolkswirt der Bonner Bank. "Zwar ist die
Jahresteuerung in Deutschland seit September 2006 von einem Prozent auf 3,3
Prozent im Juli 2008 gestiegen. Grund hierfür sind aber vor allem die
deutlich gestiegenen Rohstoffpreise. Ein Überschwappen der gestiegenen
Energie- und Nahrungsmittelpreise auf andere Komponenten der
Verbraucherpreise hat im Gegensatz zu den siebziger und achtziger Jahren
bislang nur in begrenztem Maße stattgefunden". So entwickelten sich die
Kernverbraucherpreise ohne Energie- und Nahrungsmittelkomponenten in den
letzten Monaten relativ stabil und betrugen in der EWU zuletzt 1,8 Prozent.
In Deutschland lagen sie zuletzt bei zwei Proeznt.
Aus strukturellen Gründen dürften die Energiepreise zwar auch in Zukunft
erhöht bleiben. Die aufstrebenden Volkswirtschaften vor allem in Asien
werden auch künftig im konjunkturellen Aufholprozess verstärkt Rohöl sowie
andere Rohstoffe nachfragen. Allerdings geht die Postbank davon aus, dass
der Ölpreis im Zuge einer globalen Konjunkturabkühlung allmählich sinken
wird. Auf Jahressicht erwartet sie einen Rückgang des Preises für Brentöl in
Richtung auf knapp 100 Dollar pro Fass. Die Teuerungsrate in Deutschland und
der EWU dürfte damit seitens des Ölpreises perspektivisch deutlich
vermindert werden. Darüber hinaus hat sich die Inflation in Deutschland und
im Euroraum in den letzten Jahren im historischen Vergleich sehr moderat
entwickelt. Das hat die Inflationserwartungen der Wirtschaftsteilnehmer
nachhaltig geprägt. Auch die Lohnentwicklung ist bei weitem nicht mit der
von Anfang der siebziger und achtziger Jahre zu vergleichen. Sie war in den
letzten Jahren äußerst moderat und hat damit einen wesentlichen Beitrag zum
weiterhin anhaltenden Beschäftigungs-anstieg in Deutschland geleistet. Die
Postbank erwartet zwar eine Verlangsamung der Konjunktur in den kommenden
Quartalen. Das Risiko einer Stagnation oder gar Rezession schätzt sie jedoch
für Deutschland und den gesamten Euro-Raum als gering ein. Insgesamt dürfte
es damit nicht zu einer Stagflation kommen.
Deutschland machte erstmals Anfang der siebziger Jahre im Umfeld des ersten
Ölpreisschubs Bekanntschaft mit Stagflation. Die Konjunktur schwächte sich
bereits im Frühjahr 1973 spürbar ab. In diesem Umfeld wirkte der kräftige
Ölpreisschub Ende 1973, bei dem sich der Preis für Brentöl mehr als
verdreifachte, wie ein Katalysator. Wegen der hohen Rohölabhängigkeit am
Gesamtenergieverbrauch schwächte sich die Konjunktur weiter ab und glitt
Anfang 1974 in die Rezession, die bis zum Frühjahr 1975 anhielt. Weltweit
sah es nicht besser aus. Betrug das Weltwirtschaftswachstum 1973 noch 6,5
Prozent, verlangsamte es sich 1974 auf 1,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote
stieg massiv an. Von 0,8 Prozent Anfang 1973 kletterte sie bis September
1975 auf 4,4 Prozent. Die Inflation blieb jedoch trotz der konjunkturellen
Verlangsamung auf hohem Niveau.
Eine weitere ausgeprägte Stagflationsphase erlebte Deutschland Ende der
siebziger Jahre im Umfeld des zweiten Ölpreisschubs. Sie dauerte rund drei
Jahre. Die Merkmale waren die gleichen wie bei der ersten Stagflationsphase.
Hohe Löhne belasteten das Preisklima bereits im Vorfeld des Ölpreisschubs.
Mit dem deutlich gestiegenen Ölpreis schwächte sich die Konjunktur deutlich
ab. Die Arbeitslosigkeit nahm zu, während die Inflation aber auf hohem
Niveau verharrte.
Quelle: www.postbank.de
zusehends eintrübenden Konjunkturaussichten rufen Erinnerungen an die
siebziger und achtziger Jahre wach, als Deutschland zweimal in eine Phase
der "Stagflation" geriet, jenen schmerzhaften Zustand der Volkswirtschaft,
der durch wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitiger hoher Inflation und
Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist. Trotz Ähnlichkeiten mit der Situation
der siebziger und achtziger Jahre glauben die Volkswirte der Deutschen
Postbank AG jedoch nicht an eine Rückkehr des Stagflations-Gespenstes. "Von
einer dauerhaften inflationären Entwicklung kann derzeit noch keine Rede
sein", sagt Marco Bargel, der Chefvolkswirt der Bonner Bank. "Zwar ist die
Jahresteuerung in Deutschland seit September 2006 von einem Prozent auf 3,3
Prozent im Juli 2008 gestiegen. Grund hierfür sind aber vor allem die
deutlich gestiegenen Rohstoffpreise. Ein Überschwappen der gestiegenen
Energie- und Nahrungsmittelpreise auf andere Komponenten der
Verbraucherpreise hat im Gegensatz zu den siebziger und achtziger Jahren
bislang nur in begrenztem Maße stattgefunden". So entwickelten sich die
Kernverbraucherpreise ohne Energie- und Nahrungsmittelkomponenten in den
letzten Monaten relativ stabil und betrugen in der EWU zuletzt 1,8 Prozent.
In Deutschland lagen sie zuletzt bei zwei Proeznt.
Aus strukturellen Gründen dürften die Energiepreise zwar auch in Zukunft
erhöht bleiben. Die aufstrebenden Volkswirtschaften vor allem in Asien
werden auch künftig im konjunkturellen Aufholprozess verstärkt Rohöl sowie
andere Rohstoffe nachfragen. Allerdings geht die Postbank davon aus, dass
der Ölpreis im Zuge einer globalen Konjunkturabkühlung allmählich sinken
wird. Auf Jahressicht erwartet sie einen Rückgang des Preises für Brentöl in
Richtung auf knapp 100 Dollar pro Fass. Die Teuerungsrate in Deutschland und
der EWU dürfte damit seitens des Ölpreises perspektivisch deutlich
vermindert werden. Darüber hinaus hat sich die Inflation in Deutschland und
im Euroraum in den letzten Jahren im historischen Vergleich sehr moderat
entwickelt. Das hat die Inflationserwartungen der Wirtschaftsteilnehmer
nachhaltig geprägt. Auch die Lohnentwicklung ist bei weitem nicht mit der
von Anfang der siebziger und achtziger Jahre zu vergleichen. Sie war in den
letzten Jahren äußerst moderat und hat damit einen wesentlichen Beitrag zum
weiterhin anhaltenden Beschäftigungs-anstieg in Deutschland geleistet. Die
Postbank erwartet zwar eine Verlangsamung der Konjunktur in den kommenden
Quartalen. Das Risiko einer Stagnation oder gar Rezession schätzt sie jedoch
für Deutschland und den gesamten Euro-Raum als gering ein. Insgesamt dürfte
es damit nicht zu einer Stagflation kommen.
Deutschland machte erstmals Anfang der siebziger Jahre im Umfeld des ersten
Ölpreisschubs Bekanntschaft mit Stagflation. Die Konjunktur schwächte sich
bereits im Frühjahr 1973 spürbar ab. In diesem Umfeld wirkte der kräftige
Ölpreisschub Ende 1973, bei dem sich der Preis für Brentöl mehr als
verdreifachte, wie ein Katalysator. Wegen der hohen Rohölabhängigkeit am
Gesamtenergieverbrauch schwächte sich die Konjunktur weiter ab und glitt
Anfang 1974 in die Rezession, die bis zum Frühjahr 1975 anhielt. Weltweit
sah es nicht besser aus. Betrug das Weltwirtschaftswachstum 1973 noch 6,5
Prozent, verlangsamte es sich 1974 auf 1,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote
stieg massiv an. Von 0,8 Prozent Anfang 1973 kletterte sie bis September
1975 auf 4,4 Prozent. Die Inflation blieb jedoch trotz der konjunkturellen
Verlangsamung auf hohem Niveau.
Eine weitere ausgeprägte Stagflationsphase erlebte Deutschland Ende der
siebziger Jahre im Umfeld des zweiten Ölpreisschubs. Sie dauerte rund drei
Jahre. Die Merkmale waren die gleichen wie bei der ersten Stagflationsphase.
Hohe Löhne belasteten das Preisklima bereits im Vorfeld des Ölpreisschubs.
Mit dem deutlich gestiegenen Ölpreis schwächte sich die Konjunktur deutlich
ab. Die Arbeitslosigkeit nahm zu, während die Inflation aber auf hohem
Niveau verharrte.
Quelle: www.postbank.de


