Immobilienkrise schwächt US-Wirtschaftswachstum
Einen Schwerpunkt der volkswirtschaftlichen Analyse bilden die Auswirkungen der Subprime-Krise. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die globalen Wachstumskräfte verlagern. Die US-Wirtschaft, nach wie vor die größte Volkswirtschaft der Welt, verliert wegen der Krise am Immobilienmarkt an Schwung. Das US-Wirtschaftswachstum bleibt mit etwa 2,0 Prozent auch künftig deutlich unter seinem Potenzial. Im Gegensatz dazu drängen die Schwellenländer - allen voran China - energisch nach vorn. Doch diese Entwicklung hat für die globale Wirtschaft auch negative Konsequenzen: Wegen des überproportional hohen Energie- und Rohstoffbedarfs der Schwellenländer werden die Rohstoffpreise ihren Höhenflug weiter fortsetzen. "Ein Ölpreis von 80 US-Dollar je Barrel im Jahresdurchschnitt für 2008 ist aus unserer Sicht durchaus möglich", prognostiziert Merk.
Die deutsche Wirtschaft - traditionell exportorientiert - befindet sich im Spannungsfeld zwischen der Abschwächung des Wachstums der US-Wirtschaft und der Aufholjagd der Schwellenländer. "Aus unserer Sicht fällt die Bilanz dabei positiv aus. Die heimische Wirtschaft profitiert nicht nur von den strukturellen Verbesserungen im Inland, sondern besonders von der Dynamik der Schwellenländer. Damit ist Deutschland nach wie vor einer der großen Profiteure der Globalisierung. Das Wirtschaftswachstum wird sich zwar abschwächen, aber mit 2,0 Prozent im Jahr 2008 - nach 2,4 Prozent im laufenden Jahr - solide bleiben", erklärt Merk.
Die meisten der vom LBBW-Research im Detail beobachteten knapp 160 deutschen Aktiengesellschaften haben sich längst auf die veränderten Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft erfolgreich eingestellt. Trotz rückläufiger Wachstumsdynamik prognostizieren die LBBW-Analysten daher bei diesen Unternehmen im Durchschnitt einen Umsatzzuwachs von 5 Prozent und einen Gewinnanstieg von nahezu 12 Prozent für das kommende Jahr. Vor diesem Hintergrund lässt sich ein erhebliches Kurspotenzial für deutsche Aktien ableiten. "Angesichts der gestiegenen Risikofaktoren halten wir aber einen signifikanten Bewertungsabschlag für notwendig", erläutert LBBW-Chefvolkswirt Merk. "Unsere DAX-Prognose für 2008 liegt bei 8.500 Punkten."
Die jüngsten Finanzmarktturbulenzen führen verstärkt zu einer adäquaten Berücksichtigung von Risiken bei der Bewertung von Assetklassen. Mittelfristig dürften die Renditen für 10-jährige Bundesanleihen nach Meinung des LBBW-Researchs weiter bis auf 4,7 Prozent steigen. "Zudem erwarten wir, dass die Zinsstrukturkurve steiler wird", ergänzt Merk. Beim Wechselkurs des Euro zum US-Dollar sehen die LBBW-Devisenexperten eine baldige Gipfelbildung.
Im Zentrum des Geschehens an den Finanzmärkten steht bis auf Weiteres der Credit-Markt. Inzwischen ist deutlich geworden, dass sich viele Marktteilnehmer offensichtlich in unbekanntem Terrain mit vielen neuen Finanzprodukten bewegt haben. Im Kern handelt es sich jedoch um eine Vertrauenskrise innerhalb des Bankensystems, die nur durch eine größere Transparenz überwunden werden kann. Die ersten Schritte auf diesem Weg sind zu beobachten. Das LBBW-Research ist zuversichtlich, dass die Probleme in der Finanzwirtschaft nicht nachhaltig auf die reale Wirtschaft durchschlagen werden. Ungeachtet dessen werden sich die aus Unternehmenssicht bislang optimalen Kreditbeschaffungsmöglichkeiten wegen höherer Risikoaufschläge und schärferer Kreditvergabestandards tendenziell verschlechtern. In die gleiche Richtung wirkt auch der Umstand, dass die Verschuldung der großen europäischen Unternehmen im Vergleich zu ihrem Cash-flow seit zwei Jahren wieder zunimmt. Die LBBW-Analysten erwarten deshalb einen Anstieg bei Unternehmensanleiheemissionen im nächsten Jahr.
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg


