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Ausblick auf Zinsen und Konjunktur in Europa


Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater des führenden österreichischen Discount-Brokers direktanlage.at, ist der Meinung, dass die derzeitige Preissteigerung in Europa nicht nur auf Energie- und Rohstoffe zurückzuführen sei. Sie lasse auch Anzeichen einer Überhitzung erkennen. Er sieht gute Gründe für eine Erhöhung der Zinsen.

Die Preissteigerung hat in den letzten Monaten an Tempo zugelegt. In der Eurozone ist sie von 3,3 auf 3,6 Prozent gestiegen. " Das ist zu hoch", sagt Hüfner. "Es muss umso mehr Sorgen machen, als bisher keine Zeichen erkennbar sind, dass der inflationäre Druck nachlassen könnte. 2008 wird in punkto Inflation das schlechteste Jahr dieser Dekade." Nun gebe es aber auch eine Reihe von Faktoren, die das Wirtschaftswachstum in Europa in den kommenden Monaten deutlich abbremsen werden, meint der Experte:

- Euro: Der Euro hat sich gegenüber dem Dollar seit Jahresfrist um 16 Prozent aufgewertet, gegenüber allen Währungen der wichtigsten Handelspartner um 8 Prozent.

- Ölpreis: Der Ölpreis hat sich in dieser Zeit von knapp 70 auf 130 Dollar je Barrel fast verdoppelt.

- Bankenkrise: Die Bankenkrise führt dazu, dass die Aufnahme von Krediten für die Unternehmen nicht nur schwieriger, sondern auch teurer wird.

- Schwächeres Wachstum: Eine Reihe von Absatzmärkten in der Welt (nicht zuletzt natürlich die USA) wächst nicht mehr so dynamisch

Die Mehrzahl der Prognosen gehe als Folge dieser Faktoren inzwischen davon aus, dass sich die Konjunktur in Europa abkühlt, sagt Hüfner. "Das wird freilich nicht schrecklich dramatisch sein - von cirka 1,8 Prozent Wachstum in 2008 auf vielleicht 1,5 Prozent in 2009."

In den einzelnen Regionen sehe die Lage unterschiedlich aus. "Italien hat erhebliche strukturelle Probleme und wird sowohl 2008 als auch 2009 ein Wachstum von lediglich einem halben Prozent aufweisen. Spanien leidet unter der Immobilienkrise und verliert deshalb an Dynamik. Frankreich tut sich schwer, seine Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Alle diese Länder brauchen trotz der hohen Preissteigerung eigentlich niedrigere Zinsen. Umgekehrt Deutschland: Seine Wirtschaft wird in diesem Jahr noch einmal um 2 bis 2,5 Prozent expandieren."

Für den Berater von direktanlage.at stellt sich die Frage, an wem sich die Zentralbank orientieren soll. "Offiziell wird sie immer auf die Durchschnittsgrößen abheben, damit ihr niemand eine nationale Brille vorhalten kann. In ihrer Analyse aber muss sie immer die Regionen in den Fokus nehmen, wo die Risiken am größten sind. Das waren lange Zeit Länder wie Spanien. Inzwischen ist es die Bundesrepublik. Die deutsche Situation legt eine Zinserhöhung nahe. Es ist daher kein Wunder, dass sich der deutsche Bundesbankpräsident im EZB-Rat für eine Zinserhöhung stark macht."

Was bedeutet das für die Anleger?



"Erstens, dass die Europäische Zentralbank auch durch die absehbare konjunkturelle Verlangsamung nicht von ihrem aggressiven Stabilitätskurs ablassen wird", meint Hüfner. Man kann sich darauf einrichten, dass sie die Zinsen erhöht, wenn die Unsicherheiten auf den Märkten nachlassen."

Zum zweiten werde die konjunkturelle Abschwächung in Deutschland - wenn sie sich in dem erwarteten Rahmen hält - keine größeren negativen Effekte auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen haben. Das wären "good news" für die Aktien.

Das ganze Szenario habe aber erhebliche Risiken, meint der direktanlage.at-Berater. "Es könnte sein, dass die konjunkturelle Abschwächung in Europa doch stärker als gedacht ausfällt. Die OECD ist in ihrem aktuellen `Outlook` nicht mehr ganz so optimistisch. Sie rechnet für Deutschland nur noch mit 1 Prozent Wachstum. Es könnte auch sein, dass die Rohstoffpreise fallen und damit die Inflation zurückgeht. In beiden Fällen würde es keine Zinserhöhung geben. Ein solches Szenario ist in den Daten bisher nicht erkennbar." Ein Anleger sollte es aber zur Sicherheit im Hinterkopf haben, damit er neue Daten richtig einordnen kann, rät Hüfner.

Quelle: direktanlage.at



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