Anz.

Kreditkrise belastet Aktienmärkte


In den USA wurden in der abgelaufenen Woche keine nennenswerten Daten veröffentlicht. Das Wachstum der Wirtschaft der Eurozone hat sich im 1. Quartal nach einer 2. Schätzung durch Eurostat leicht auf 2,1 % J/J verlangsamt (Q4: 2,2%). Das besser als erwartete Wachstum war insbesondere auf die Belebung der Exporte und der Investitionsausgaben zurückzuführen. Dämpfend wirkten sich hingegen ein Lagerabbau sowie der schwache private und öffentliche Konsum aus. Die deutsche Konjunktur scheint zunehmend von der globalen Wachstumsabschwächung getroffen zu sein. Im Mai verringerte sich die Wachstumsrate der Industrieproduktion auf nur noch 3,2% J/J, nachdem sie in den Monaten zuvor noch mit Rekordwachstumsraten zulegen konnte. Die Zuwachsraten bei den Auftragseingängen der Industrie haben sich in den letzten sechs Monaten - ausgehend von einem ausgesprochen hohen Niveau - deutlich abgeschwächt. Für die Periode April/Mai legten diese auf Jahressicht nur noch mit einer Rate von 6,3% zu.

Nach der allgemein erwarteten Leitzinsanhebung der EZB am 3. Juli um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent in der Vorwoche zeigte sich in dieser Woche nur wenig Bewegung bei den europäischen Geldmarktzinsen. Auch in den USA war mangels der Perspektive einer kurzfristigen Änderung der Geldpolitik kaum Bewegung zu verzeichnen. Aufgrund der wieder verstärkten Verunsicherung an den Finanzmärkten und der dadurch ausgelösten 'Flucht' in Staatsanleihen gaben die Renditen in der abgelaufenen Woche beiderseits des Atlantik nach. Die Renditen der deutschen Bundesanleihe gaben unmittelbar im Gefolge der Leitzinsanhebung durch die EZB kräftig nach. Die straffere Geldpolitik in Kombination mit den in den vergangenen Wochen veröffentlichten schwachen Wirtschaftsdaten weckte am Markt die Befürchtung eines Konjunkturabschwungs. Dieser Trend setzte sich, nicht zuletzt aufgrund der nachgebenden Aktienmärkte, bis zur Wochenmitte fort.

Der US-Dollar konnte unerwartet von der EZB-Sitzung profitieren. Das äußerst moderate Statement nach Bekanntgabe der Leitzinsanhebung führte am Markt zu der Erwartung, dass vorerst an keine weiteren Leitzinsanhebungen gedacht sei. Im Vorfeld der EZB-Sitzung litt die US-Währung immer wieder durch die harsche Rhetorik der EZB-Repräsentanten. Auch ein relativ günstiger US-Arbeitsmarktbericht konnte die US-Währung stützen. Zu Wochenbeginn und auch im weiteren Wochenverlauf wurde der Dollar durch das Wiederaufflammen der Kreditkrise in den USA belastet. Insgesamt ergab sich eine Seitwärtsbewegung im Dollar. Die relevantesten Wirtschaftsdaten in der anstehenden Woche sollten die US-Inflationsdaten für Juni sein.

Die internationalen Aktienmärkte wurden in der abgelaufenen Woche schwer durch die wieder aufflammende Kreditkrise belastet. Zu Wochenbeginn befanden sich Finanztitel, insbesondere die beiden US-Hypothekenfinanzierungsgesellschaften Fannie Mae und Freddie Mac stark unter Druck. Am Markt kamen Gerüchte auf, wonach diese aufgrund neuer Bilanzierungsstandards, welche die Hypothekenfinanzierer zwingen außerbilanzielle Hypotheken in die Bilanz zu re-integrieren einen zusätzlichen Kapitalbedarf von USD 75 Mrd. hätten. Die Aktie von Freddie Mac und Fannie Mae gaben kurzzeitig um 18 bzw. 16% nach. Aufgrund der hohen Bedeutung beider Unternehmen innerhalb der US-Kreditwirtschaft wurde die ganze Finanzbranche und letztlich die US-Aktienmärkte belastet. Nach einer kurzen Erholung setzte ausgelöst durch den Finanzsektor und schwachen Unternehmensergebnissen zu Wochenmitte abermals ein starker Abwärtstrend am US-Markt ein. Der Wiener ATX folgte weitgehend der internationalen Entwicklung. Am Donnertag kam es zu einem starken Einbruch von rund 20% bei der Wienerbergeraktie, nachdem der Ziegelhersteller für 2008 mit einem Ergebnisrückgang rechnet. Der stärker als erwartete Rückgang der US-Bauwirtschaft und das Übergreifen der Finanzkrise auf Großbritannien würden das Geschäft belasten.

Quelle: Research-Team der Volksbank Gruppe Österreich



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