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Vorsicht am chinesischen Aktienmarkt


Martin Hüfner, Chefökonom des führenden österreichischen Discount-Brokers direktanlage.at, ortet Verunsicherungen am chinesischen Aktienmarkt. China wird weiter wachsen und den Westen zum Teil überholen. Die Entwicklung wird jedoch in Zukunft weniger geradlinig verlaufen.

Der Fachmann sieht immense Stärken in China. China verfügt mit 1,3 Mrd. Einwohnern über die größte Bevölkerung der Welt. Das reale Bruttoinlandsprodukt wächst seit Jahren schnell, zuletzt sogar mit zweistelligen Raten (2007: + 10,8 Prozent). Weiters erwirtschaftet China einen Leistungsbilanzüberschuss von 340 Mrd. Dollar (10,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), und es besitzt 1.300 Mrd. Dollar an Währungsreserven. Ein weiterer Vorteil sind fleißige, ehrgeizige, kaufmännisch begabte und niedrig entlohnte Arbeiter. 


Probleme mit Infrastruktur, Sozialsystem und Umwelt


China hat aber auch eine Vielzahl von Problemen in der aktuellen Wirtschaftsentwicklung. "Es gibt große Ungleichheiten zwischen Arm und Reich", so Hüfner, "es gibt praktisch keine soziale Sicherung für Alter und Krankheit. Die chinesische Gesellschaft hat demographische Probleme. Etwa ab dem Jahr 2030 wird die Bevölkerung absolut zurückgehen. Die Infrastruktur lässt - vor allem in der Mitte und im Westen des Landes - zu wünschen übrig." Die Umweltverschmutzung in den Städten ist so groß. Nach Angaben der Weltbank sterben jährlich eine drei Viertel Million Menschen an Umweltverschmutzung und/oder schlechtem und mangelhaftem Wasser. "Viele Staatsbetriebe sind unproduktiv. Die chinesischen Banken haben - trotz des hohen Wachstums der Unternehmen - 'faule Kredite' im Wert von schätzungsweise 900 Mrd Dollar in ihren Büchern", meint Hüfner.

China wird kein Niedriglohnkosten-Land bleiben


Wie sieht nun die Zukunft des Landes aus? China wird natürlich weiter wachsen, nach der Phase des take off in ein paar Jahren vielleicht mit einer etwas geringeren Rate. Es wird zu den westlichen Industrieländern aufschließen und sie in vielen Bereichen überholen. China wird aber kein Niedriglohnkosten-Land bleiben. Wer Produktion dorthin allein aus Kostengründen verlagert, baut sein Haus auf Sand. China wird zunehmend in technologisch anspruchsvollere Sektoren und Produktionen vordringen.

Chinesischen Aktien bei weitem überbewertet und spakulativ überhitzt


Und wie wird der chinesische Aktienmarkt auf diese Entwicklungen reagieren? Er wird natürlich von dem hohen gesamtwirtschaftlichen Wachstum, der zunehmenden Zahl der privaten Unternehmen und der hohen Ersparnis der Chinesen (Sparquote über 40 Prozent) profitieren. Voraussetzung dafür ist, dass sich in China ein funktionsfähiger Kapitalmarkt entwickeln wird, ähnlich wie in Indien. Im Augenblick sind die chinesischen Aktien bei weitem überbewertet und spekulativ überhitzt. Daher ist für Anleger zunächst einmal Vorsicht geboten.

Quelle: direktanlage.at

 


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