MÄRKTE ASIEN/Handelsbilanzdaten aus China drücken auf die Stimmung

Enttäuschend ausgefallene chinesische Handelsbilanzdaten haben am Dienstag die jüngst wieder aufgeflammten Konjunktursorgen am Leben gehalten. Die Ergebnisse des Treffens der Euro-Gruppe in Brüssel wurden zwar positiv bewertet, änderten aber nichts an der weiter eingetrübten Stimmung. An den Börsen überwogen moderate Verluste, während der Euro kaum auf die Beschlüsse aus Brüssel reagierte und wieder auf unter 1,23 Dollar nachgab.
Dass die Euro-Finanzminister Spanien ein Jahr länger Zeit zur Rückführung seines übermäßigen Defizits geben und noch im Juli eine erste Nothilfe von 30 Milliarden Euro für die spanischen Banken fließen lassen wollen, wurde an den Finanzmärkten tendenziell positiv aufgenommen. Dem gegenüber stand als bremsender Faktor aber der Anstieg des chinesischen Handelsbilanzüberschusses aufgrund eines unerwartet schwächeren Importwachstums. Das sorgte für Bedenken über die Nachfrage aus China, die als wichtiger globaler Konjunkturfaktor gilt.
"Der Markt sieht die Konjunktur in China zurzeit sehr negativ", meinte Ben Kwong, COO bei KGI Asia. "Andererseits können wir nach den sinkenden Inflationsraten damit rechnen, dass die Regierung ihre Anstrengungen verstärken wird, dass die Wachstumsverlangsamung nicht zu stark ausfällt."
"Der grundsätzliche Trend zeigt weiter eine Verlangsamung an und die damit verbundene Erwartung ist, dass die BIP-Daten am Freitag ziemlich schwach ausfallen werden", sagte Andrew Sullivan, Händler bei Piper Jaffrey in Hongkong und weiter: "Es ist offensichtlich, dass sich das globale langsamere Wachstum auf China auswirkt und China allein wird nicht die Welt retten können".
Nach anfänglichen Gewinnen drehten die meisten Börsen der Region mit Bekanntwerden der Handelsbilanzzahlen ins Minus. In Tokio gab der Nikkei-225 bereits den vierten Tag in Folge nach, diesmal um 0,4 Prozent auf 8.858 Punkte. Der breitere Topix sank um 0,7 Prozent. Nur zwischenzeitlich hatten Hoffnungen auf weitere Konjunkturstimuli der japanischen Notenbank im späteren Wochenverlauf für relativ stabile Kurse gesorgt. Masanaga Kono von Amundi Japan rechnet mit keiner Unterstützung für den Aktienmarkt von der japanischen Notenbank und begründet dies mit dem zum Yen stabilisierten Dollar und dem nicht so schlechten japanischen Konjunkturumfeld.
An den Börsen in Sydney und Seoul lagen die Verluste ähnlich hoch wie beim Nikkei; Schanghai und Hongkong zeigten sich kaum verändert. Lediglich in Singapur war die Tagestendenz freundlich.
Der Euro kam von 1,2320 Dollar am Montag wieder auf unter 1,2290 Dollar zurück, belastet von Unsicherheit nach dem jüngsten Renditeanstieg spanischer Zehnjahresanleihen auf über 7 Prozent. Der Dollar wiederum stabilisierte sich zum Yen auf seinem niedrigen Niveau unter 80 Yen. Der Ölpreis fiel unterdessen nach seinem kleinen Höhenflug am Vortag wieder zurück, nachdem ein drohender Stopp der Erdölförderung in Norwegen wegen eines Arbeitskampfs in letzter Sekunde abgewendet wurde. Das Barrel der Sorte Brent ging mit 98,58 Dollar um, verglichen mit in der Spitze fast 101 Dollar am Vortag.
An der Tokioter Börse stand die Sharp-Aktie unter Druck und verlor 4,2 Prozent. Das Unternehmen hatte einen einmaligen Verlust von 15,86 Milliarden Yen im Zusammenhang mit der Einigung in einem Rechtsstreit mit Dell mitgeteilt. Noch stärker abwärts um sieben Prozent ging es für Nikon. Hier belastete der Einstieg von Intel bei dem niederländischen Nikon-Wettbewerber ASML mit 4,1 Milliarden Dollar.
Die schwächer als erwartete gestiegenen Importe Chinas sorgten vor allem bei den in Sydney notierten Rohstoffwerten für Einbußen, da sie auf eine sinkende Nachfrage nach Eisen und Kupfer hindeuten könnten. Die Kurse von BHP Billiton und Rio Tinto büßten jeweils 0,8 Prozent ein. Keine Rolle spielten die Vorgaben von Alcoa. Der Aluminiumkonzern hatte am Vortag traditionell die US-Quartalsberichtssaison eröffnet und dabei insgesamt die Erwartungen getroffen.
In Seoul litten Titel aus der Schifffahrtsbranche unter den Daten aus China, in Tokio zyklische Papiere wie Komatsu und Hitachi Construction Machinery mit Verlusten von rund 3 Prozent. In China waren Immobilienaktien die stärksten Verlierer, nachdem der chinesische Ministerpräsident am Wochenende angekündigt hatte, die Restriktionen in dem Sektor zur Vermeidung eines Preisauftriebs noch eine ganze Weile aufrechterhalten zu müssen.
INDEX Stand +- in % Handelsende aktuell (MESZ) S&P/ASX 200 (Sydney) 4.098,00 -0,49% 08.00 Nikkei-225 (Tokio) 8.857,73 -0,44% 08.00 Kospi (Seoul) von Hand 08.00 Shanghai-Composite (Schanghai) 2.165,04 -0,27% 09.00 Hang-Seng-Index (Hongkong) 19.437,89 +0,05% 10.00 Straits-Times (Singapur) 2.950,47 +0,73% 11.00 DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Mo, 10.17 Uhr EUR/USD 1,2289 -0,2% 1,2314 1,2279 EUR/JPY 97,3809 -0,6% 97,9724 97,8139 USD/JPY 79,2520 -0,4% 79,5615 79,6750 USD/KRW 1143,3800 +0,0% 1143,1700 1141,9800 USD/CNY 6,3669 -0,1% 6,3714 6,3702 AUD/USD 1,0183 -0,2% 1,0208 1,0166 Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com DJG/DJN/gos/reh
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