MÄRKTE ASIEN/US-Notenbank und Daten aus China trüben Stimmung

Die Finanzmärkte in Ostasien haben am Donnerstag mit Enttäuschung auf die geldpolitische Entscheidung der US-Notenbank (Fed) reagiert. Belastet wurde die Stimmung aber auch von Signalen einer weiteren Konjunkturabkühlung in China. Lediglich in Tokio legten die Kurse am Aktienmarkt zu. Hier sorgte die Schwäche des Yen für Käufe.
Mit der Verlängerung der so genannten Operation Twist, bei der kurzfristige gegen langfristige Anleihen getauscht werden, mit dem Ziel, die langfristigen Zinsen zu drücken, habe die US-Notenbank lediglich das Minimum dessen geliefert, was der Markt erwartet habe, hieß es. Auch wenn die Fed angekündigt habe, Gewehr bei Fuß zu stehen, sollte sich die wirtschaftliche Situation verschlechtern, so hätten sich viele Marktakteure doch bereits am Mittwoch aggressivere Schritte erhofft.
Vor allem beim Ölpreis sorgte dies für Enttäuschung. Mit gut 80 Dollar sank der Preis für das Barrel der US-Sorte WTI auf den niedrigsten Stand seit Oktober.
An den Börsen der Region, vor allem aber in China, belastete im Verlauf des Handels zusätzlich der von HSBC ermittelte vorläufige Einkaufsmanagerindex für China die Indizes. Mit einem vorläufigen Stand von 48,1 nach 48,4 im Vormonat ist er auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten gesunken und deutet auf eine anhaltende Abkühlung der Konjunktur hin. Die Börse in Schanghai verlor 1,4 Prozent. In Sydney ging es für den S&P ASX 200 um 1,1 Prozent nach unten und in Seoul verlor der Kospi 0,8 Prozent nach unten. Alle Indizes zeigten sich damit zum Handelsende aber von ihren Tagestiefs etwas erholt.
Die Börse in Tokio tendierte gegen den Trend in Ostasien freundlich, der Nikkei-Index gewann 0,8 Prozent auf 8.824 Punkte. Hier trieben vor allem Käufe exportsensitiver Aktien den Index, nachdem der Yen zum Dollar auch in Reaktion auf die Entscheidung der US-Notenbank deutlicher nachgegeben hatte. So ging der Dollar zuletzt mit 79,62 Yen um, nachdem es am Vortag im Tief noch 78,80 Yen waren.
Die US-Notenbank senkte zudem ihre Wachstumsprognose und betonte, dass der Arbeitsmarkt an Schwung verliere. Sie sei daher bereit, falls nötig, weitere konjunkturstimulierende Maßnahmen zu ergreifen. "An den Märkten sorgt das schon für etwas Enttäuschung", kommentierte Mitul Kotecha, Stratege bei Credit Agricole die Fed-Entscheidung, nur die Operation Twist bis zum Jahresende zu verlängern. "Dessen ungeachtet wird das Abwärtspotenzial bei den Risikopapieren aber begrenzt von der potenziell irgendwann kommenden expansiven Lockerung", so der Experte weiter.
Hoffnung zehre der Markt indes aus den jüngsten Aussagen von EZB-Direktoriums-Mitglied Benoit Coeure, hieß es an anderer Stelle. Demnach könnte die Europäische Zentralbank bei ihrem Treffen Anfang Juli eine Zinssenkung erwägen. Zudem nahmen die Märkte die rasche Regierungsbildung in Griechenland zumindest positiv zur Kenntnis.
Am Devisenmarkt pendelte sich der Euro gleichwohl wieder deutlich unter 1,27 Dollar ein, nachdem er auf die Entscheidung der US-Notenbank zunächst volatil hin und her geschwankt war. Im Hoch hatte er dabei 1,2714 Dollar erreicht. Zum koreanischen Won fiel der Dollar unterdessen auf den niedrigsten Stand seit sechs Wochen. Hier drückten Dollar-Verkäufe von Exporteuren auf den Kurs, wie es hieß.
Die mit dem schwachen HSBC-Index verbundenen Konjunktursorgen belasteten an den Börsen die Kurse der zyklischen Aktien. So verloren in Sydney Fortescue Metals gut 2 Prozent und in Hongkong China Coal Energy über 3 Prozent. Der deutlich gefallenen Ölpreis zog die Kurse der Ölunternehmen nach unten. Die in Sydney notierten Santos büßten rund 3 Prozent ein und CNOOC rutschen in Hongkong um 3 Prozent ab.
Unter Druck standen auch chinesische Finanzwerte. Bank of Communications geben um gut 1 Prozent nach, New China Life Insurance um 1,7 Prozent. Am stärksten gaben die Kurse im Immobiliensektor nach. Agile Property Holdings und China Resources Land verloren knapp unter bzw. über 5 Prozent, Evergrande Real Estate Group rutschten gar um 11,6 Prozent ab. In Seoul litten exportsensitive Aktien unter dem gestiegenen Won.
An der japanischen Börse gehörten Autowerte zu den Tagessiegern. Nissan Motor gewannen 1,8 Prozent. Der Autohersteller hatte angekündigt, seine heimische Produktion um 15 Prozent zu senken, weil die Produktion in Japan zunehmend Wettbewerbsnachteile bringe.
INDEX Stand +- in % Handelsende aktuell (MESZ) S&P/ASX 200 (Sydney) 4.087,60 -1,08% 08.00 Nikkei-225 (Tokio) 8.824,07 +0,82% 08.00 Kospi (Seoul) 1.889,15 -0,79% 08.00 Shanghai-Composite (Schanghai) 2.260,88 -1,40% 09.00 Hang-Seng-Index (Hongkong) 19.265,07 -1,30% 10.00 Straits-Times (Singapur) 2.828,81 -0,94% 11.00 DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Mi, 11.00 Uhr EUR/USD 1,2654 -0,4% 1,2700 1,2702 EUR/JPY 100,8129 -0,1% 100,9463 100,2371 USD/JPY 79,6625 +0,2% 79,4750 78,9450 USD/KRW 1153,0500 +0,0% 1152,7100 1151,4500 USD/CNY 6,3651 +0,1% 6,3598 6,3598 AUD/USD 1,0153 -0,3% 1,0185 1,0202 DJG/DJN/gos/ros
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