Ölpreis auf Rekordniveau
Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten fielen gemischt aus. Gemäß dem jüngsten Konjunkturbericht der US-Notenbank (Beige Book) hat sich das wirtschaftliche Umfeld im Untersuchungszeitraum zwischen 5. März und 7. April in weiten Teilen der USA verschlechtert. Gleichzeitig war ein Anstieg der Preise vor allem bei Nahrungsmitteln, Treibstoff und bei Grundstoffen zu beobachten. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes hat sich im April weiter eingetrübt. Der entsprechende Index der Universität Michigan sank nach vorläufigen Berechnungen auf 63,2 Punkte (März: 69,5) und damit auf den tiefsten Stand seit März 1982. Ihre finanziellen Aussichten beurteilten die US-Verbraucher im selbem Monat wegen der hohen Lebensmittel- und Energiepreise sowie der steigenden Arbeitslosigkeit so negativ wie seit April 1980 nicht mehr. Der Umsatz der US-Einzelhändler ist im März - nicht zuletzt aufgrund höherer Benzinumsätze an den Tankstellen - um 0,2 Prozent M/M (Februar: -0,4%) gestiegen. Die US-Industrie hat ihre Produktion im März mit 0,3 Prozent M/M (Februar: -0,7%) unerwartet deutlich ausgeweitet. Die Inflationsrate blieb in den USA auch im März mit 4,0 Prozent (Februar: 4,0%) auf einem hohen Niveau. Ohne Nahrungsmittel und Energie (Kernrate) war im selben Monat ein Preisanstieg um 2,4 Prozent J/J (Februar: 2,3%) zu beobachten. In der Eurozone stieg die Inflationsrate im März auf 3,6 Prozent (Februar: 3,3%). Die Industrieproduktion wuchs im Februar um 0,3 Prozent M/M (Januar: 0,6%).Die Ölpreise erreichten zuletzt neue Rekordstände. Preistreibend wirkten vor allem eine zwischenzeitliche Einstellung des Ölumschlags in den drei wichtigsten Verschiffungshäfen Mexikos als Folge von schlechten Wetterbedingungen, die Veröffentlichung der jüngsten Zahlen zu den Dieselimporten Chinas, die im März deutlich gestiegen sind, sowie gesunkene US-Lagerbestände an Rohöl und Benzin.
Die Kurse an den Aktienmärkten konnten in den letzten Tagen mehrheitlich zulegen. Für eine höhere Kaufbereitschaft der Marktteilnehmer sorgten vor allem gute Quartalszahlen einiger US-Banken wie JPMorgan Chase oder Wells Fargo und einige optimistische Ausblicke von Unternehmen wie Intel oder IBM. Insgesamt hat sich bei den größten börsenotierten US-Unternehmen die Gewinnentwicklung im ersten Quartal 2008 weiter verschlechtert. Im S&P 500 ist das kumulierte, kapitalgewichtete Ergebnis pro Aktie im entsprechenden Zeitraum - basierend auf den bisherigen Ergebnisveröffentlichungen von 64 Unternehmen - im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13,4 Prozent (Q4: -6,6%) gesunken. Ergebnisrückgänge gab es vor allem bei Finanzwerten und Unternehmen aus den Sektoren dauerhafte Konsumgüter und Bekleidung. In den nächsten Tagen nimmt die Zahl an Unternehmen, die ihre Quartalszahlen veröffentlichen, vor allem in den USA deutlich zu. Alleine aus dem Dow Jones Industrial Average werden im Wochenverlauf 13 der insgesamt 30 Unternehmen ihre Zahlen präsentieren. Neben den Unternehmensdaten werden auch die zur Veröffentlichung anstehenden Wirtschaftsdaten wie etwa die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter oder der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex die Richtung der Märkte beeinflussen. Insgesamt erscheint uns die gegenwärtige Stimmung an den Aktienmärkten in einem nach wie vor schlechten bzw. sich verschlechternden konjunkturellen Umfeld mit einem Ölpreis auf Rekordniveau sowie einigen zur Stärke neigenden Währungen (v.a. Euro) mit ihren negativen Auswirkungen auf die entsprechenden Exportindustrien als zu optimistisch. In den nächsten Monaten erwarten wir deshalb sinkende Kurse an den Aktienmärkten. Da wir davon ausgehen, dass die Masse der anstehenden Unternehmenszahlen die aktuell relativ gute Stimmung eintrüben wird, rechnen wir auch auf Wochensicht mit mehrheitlich etwas sinkenden Aktienkursen.

